Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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spräches mit einem protestantischen Theologen und Briefe an Ernst Michel und Gerhard Kittel. Es ist sehr schwer, in einer kurzen Besprechung das Wesentliche dieses Sammelbandes herauszustellen, da jeder einzelne Teil eine gewaltige Sprache spricht. Wenn wir dennoch den einen oder den anderen Aufsatz mit seinem Titel nennen, so nicht deshalb, weil wir die ungenannten für weniger wichtig hielten, sondern weil uns die genannten besonders drängende Fragen zu behandeln scheinen. Die „Geschehende Geschichte" wird auf jeden, so oft er sie auch lesen mag, immer wieder den Reiz des ersten Lesens ausüben, wird ihm über die Stunde der Entstehung dieses Aufsatzes hinaus eine Durchsicht geben durch die Jüdische Gesamtgeschichte, die den meisten von uns heute ganz besonders nottut. Was er über die „Kinder" sagt, kann man den jüdischen Eltern zu lesen und zu beherzigen gar nicht oft genug empfehlen. Was über unser „Bildungsziel" und „Biblischen Humanismus" gesagt ist, sollte aus unseren Diskussionen nie wieder schwinden. Ob hier, ob in Erez Israel, diese Fragen sind von einer Mächtigkeit und drängenden Notwendigkeit, daß sie auch vor den ohne Frage wichtigen Alltagsproblemen nicht verstummen dürfen. Gerade bei dem Bildungsbetrieb unserer Tage sollte man sich diese aus der Tiefe geschöpfte Fragestellung immer wieder bewußt machen. Ganz besonders wichtig ist die Niederschrift des Buberschen Gesprächanteils in seinem Gespräch mit Karl Ludwig Schmidt, dem früheren Bonner, jetzt Basler evangelischen Theologen. Hier' wird mit allem Ernst und in klarem Bewußtsein der Grenzen versucht, ein echtes Gespräch Israels mit den Völkern zu führen. Die Art und Weise wir hier von jüdischer Seite das Problem angepackt wird, hat nicht nur und vielleicht nicht einmal in erster Linie ein apologetisches Interesse, sondern kann für die Erörterung der innerjüdischen Problematik als Ausgangspunkt von besonderer Wichtigkeit werden. Wir dürfen dem Verfasser und dem Verlag für die Herausgabe dieses Sammelbandes ganz besonders dankbar sein. Alfred Philipp. Heine: „Gedidht und Gedanke" Bücherei des Schocken-Verlags Nr. 57, Berlin 1936. Dieses Schockenbändchen gibt eine knappe, aber ganz vorzügliche Auswahl aus der Lyrik, der Prosa und den Briefen Heines. Der Herausgeber, Werner Kraft, verzichtet diesmal bewußt auf jüdische Stoffe und Probleme. P. M. S. J. Agnon: „In der Gemeinschaft der Frommen" 6 Erzählungen aus dem Hebräischen. Bücherei des Schocken-Verlages Nr. 5. Der Schocken-Verlag hat sich mit der Herausgabe der Uebersetzung einer Reihe von Erzählungen Agnons ein großes Verdienst erworben. Die Auswahl darf als besonders glücklich bezeichnet werden. Hervorheben möchten wir die durch ihre menschliche Größe überragende Erzählung vom Kopftuch. Wie hier große Liebe zum Menschen gezeichnet wird, ist unübertrefflich. Von starker, dynamischer Kraft ist die Geschichte von Asriel Mosche, dem Bücherwart. Bei alldem ist auch in der Uebersetzung etwas von dem eigenartigen Aroma der Sprache des Originals zu spüren. Die Sprache Agnons ist ja ein Kapitel eigener Art. Sie spricht nicht zu jedem. Es muß schon im Leser oder 198