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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 49

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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und Tod hätten abwenden können. Wie schmachvoll dagegen wirkt das „glückliche" Zeitalter der Finanzbarone, Wie, klein erscheinen da in ihrer Größe die reichgewordenen Wiener Geldleute, die rudelweise nobilitiert wurden. Sie selbst hielten meistens noch am Judentum fest, aber ihre Kinder stürzten (man kann schon sagen: überstürzten) sich fast vollzählig in die Arme der katholischen Kirche, obwohl sie keine Gefahr dazu zwang, lediglich aus eilter Sucht, dem eingeborenen Adel den Verkehr mit ihnen schmackhafter zu machen. Und dann kam der Liberalismus und das Eindringen der Juden in die Politik und in die geistigen Berufe, und dann kam der Weltkrieg usw. Im letzten Abschnitt des Buches tauchen Nathan Birnbaum und Theodor Herzl auf, und aus der Geschichte der Juden erhebt sich eine neue Geschichte des jüdischen Volkes. Max Jungmann. Martin Buber und Franz Rosenzweig: „Die Schrift und ihre Verdeutschung" Schocken-Verlag 1936. „Thesen kommen und gehen, die Texte, bleiben", so schreibt Buber an einer Stelle des vorliegenden Sammelwerkes von den „Absichten und Aufgaben der Schriftverdeutschung". Damit zeichnet er die Grundvoraussetzung seines und Rosenzweigs Bemühens in dem gemeinsamen Ringen, im deutschen Wort den Gehalt der vorliegenden, gesprochenen und gehörten Worte der Bibel getreu zu gestalten. Keine entsprechende Uebersetzung, die eine Brücke nur zum hebräischen Texte schlägt, sollte es werden, sondern ein auf die sinnliche Grundbedeutung greifendes Formen. Der Leser, oder besser der Hörer, der die Verbindung heraushört — und die Stimme der Botschaft spricht ihn ganz 'persönlich an — soll nicht hinweggehen über Feinheiten, die sich ihm erst erschließen, wenn er jedes Wort, nachdem er es in der deutschen Gestaltung gegenwärtig hat, im hebräischen Text noch einmal für sich formt und so in Wesen und Geist der hebräischen Bibel eindringen kann. Gleichmäßigkeit der Form, des Rhythmus, Assonanz und Alliteration — alles soll in uns gemäß dem Urtexte anklingen; diese Uebersetzung will die oft sinnentstellende Umschreibung vermeiden. Ein Feingefühl für Sprache und Seele zugleich spricht aus diesem Bemühen der Uebersetzer, und es spricht zu uns, nicht bei dem zu bleiben, was uns eine „pons" im schülerhaften Sinne geben kann, sondern zum Wort vorzudringen und uns an ihm zu entwickeln. Und wir werden spüren, die Worte sind genau wie zu den Geschlechtern vor und nach uns zu uns, zu unserer Zeit gesprochen. Ueberzeitlich, ewig und doch aktuell: im Gebot die Anrede, in der Prophetie die Kündung für den Angeredeten und in der biblischen Geschichte Beispiel und Warnung — das entdeckt man für sich, wenn man sich vertieft, wenn man sich innerlich auseinandersetzt. Die Uebersetzer fühlen sich als die Dolmetscher dieser Botschaft. Der aufmerksame Leser des vorliegenden Werkes wird merken, daß beide Autoren immer wieder Worte des Redens und des Sprechens wählen, sei es, daß sie in Vermeidung der Textkritik mit „R" R a b b e n u bezeichnen, obgleich „Redaktor" gemeint ist — man sieht fest den Raw, „unseren Raw" vor sich, der (Ten „Laut" der Bibel seine Hörer erfassen läßt — sei es, daß Rhythmus, Form oder jener „Leitwortstil" entdeckt wird, im Sprechen, im Rufen, jene dynamische Wortverbindung, sei es jede andere Feinheit, immer die Sprache, die „laute" Bibel. Diesen entdeckten Zauber der hebräischen Sprache suchten die Autoren in die deutsche Sprache einzu- 195

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