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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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nach außen so glänzenden Abschnitt unserer Geschichte möglich war. Die Regierungszeit des Herodes ist erfüllt von besonders starken Gegensätzlichkeiten. Der Tempel wird in einer Pracht hergestellt wie nie zuvor. Befestigungen im Lande werden verstärkt, das Leben scheint zu blühen, aber andererseits wird das Volk mit hohen Steuern belastet, um die Errichtung von Festungen und Prachtbauten zu finanzieren. Der König, der durch die Errichtung dieser Bauten und durch seine Freigibigkeit seinen Namen für die Nachwelt groß machen will, und deshalb auch um die Sympathien seiner Zeitgenossen wirbt, ist andererseits argwöhnisch und mißtrauisch gegen jeden, der ihm naht und sich ihm freundlich zeigt, weil er fürchtet, daß er ihn zu verdrängen sucht. Um all diese vermeidlichen Gefahren abzuwehren, schreckt er nicht vor den grausamsten Mitteln zurück. Seine Gattin, seine Söhne und sonstige Verwandten werden die Opfer des grausigen Wahns. All dies ist in beinahe dramatischer Weise an den verschiedensten Stellen seines Werkes von Josephus geschildert. Die sonst zerstreuten Berichte sind hier hintereinander gestellt, so daß sie zu einem einheitlichen Bild zusammenwachsen. Alfred Philipp. Hans Tietze: „Die Juden Wiens'' Verlag E. P. Tal & Co., Leipzig—Wien. Liest man irgendeinen Abschnitt der jüdischen Exilsgeschichte, wird man unwillkürlich an ihren Ursprung erinnert: den Untergang des jüdischen Staates. Als die Tragödie beendet war, begann das Trauerspiel. Der Krieg gegen Rom war ein glühendes Heldendrama, Empörung eines freigesinnten Volkes gegen Fremdherrschaft, Kampf um ein Ziel, für das zu bluten, selbst zu verbluten lohnte. Das Trauerspiel aber, das die Galuth darstellt, zeigt keine Größe im Tun, sondern nur im Dulden. Dulden und Geduldetsein sind die beiden Begriffe, die fast die ganze Geschichte der Galuth ausfüllen. Und man wird den Eindruck nicht los, als würde vom Schicksal dabei auf Mannigfaltigkeit und Abwechslung im historischen Bilde nicht viel Wert gelegt. Ueberall und stets das Gleiche, nur ein wenig variiert durch Besonderheiten des Orts und der Zeit. Die Geschichte der Juden in diesem oder jenem Lande, in dieser oder jener Stadt, ob in Straßburg oder Speyer oder Wien, immer ist es die gleiche traurige, grausame Kette der Begebenheiten. In seinem Buche über „Die Juden Wiens" läßt Hans Tietze fast tausend Jahre Judenschicksals vor uns defilieren. Die Färbung des umfangreichen Werks ist natürlich österreichisch, seinem Kern nach aber ragt es über den örtlich beschränkten Rahmen hinaus und hat die Bedeutung eines wesentlichen Beitrags zur allgemeinen jüdischen Kulturgeschichte. Der Verfasser beherrscht ein gewaltiges Material, das er bewundernswert in Ordnung zu halten versteht. Dabei besitzt er die Kunst, klar, fließend und spannend zu erzählen, so daß die Lektüre des Buches nicht nur das Wissen außerordentlich bereichert, sondern auch einen ästhetischen Genuß bereitet. Lobenswert ist übrigens, wie es sich ja für ein Geschichtswerk ziemt, die Objektivität der Darstellung ohne sentimentale Parteinahme. Der jüdische Leser aber wird und mag sich von einer Beteiligung des Gefühls nicht immer frei machen. Mit Stolz sieht er die Juden des Mittelalters unmenschliche Leiden ertragen, sieht, wie sie umhergejagt und erschlagen und zu Hunderten verbrannt wurden, aber ihrem Volke und ihrem Glauben treu blieben, obwohl sie — wie es nur einzelne hie und da taten — durch ein .einfaches Lippenbekenntnis Not 194

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