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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 47

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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so gestaltet, daß das geschraubte Pathos und der etwas schwülstige Stil des romantischen Dichters Disraeli vermieden wird. Auch hat er alle zeitgenössischen Anspielungen, die unserer Zeit schwer verständlich sind, ausgelassen. Der Inhalt ist schwer wiederzugeben; denn die Handlung des Romans ist so wenig einheitlich wie das zwiespältige Wesen Disraelis. Als Tendenz des Buches läßt sich herausschälen, wie Tancred(-Disraeli) sein kirchliches Glaubensbekenntnis mit seinem Judentum in Einklang zu bringen versucht. Tancred, Sohn eines englischen Lords, europamüde, weltschmerzlerisch gestimmt, verläßt sein englisches Vaterland, sucht eine neue Offenbarung und hofft, sie dort zu finden, wo einst die Patriarchen die Propheten und Jesus gewirkt haben. Der moderne Kreuzfahrer Tancred zieht nach Palästina, erlebt dort seine Offenbarungen und ist von den Naturschönheiten des Orients überwältigt. Die Naturschilderungen gehören zu den schönsten und gelungensten Stellen des Romans. Die wundervolle Schilderung des ersten Eindrucks, den Tancred vom Heiligen Lande empfängt, ist weltbekannt. Hier sei eine weitere Stelle angeführt: Tancred verließ Jerusalem vor Morgengrauen ... Die Stunde vor dem Sonnenaufgang hat in Palästina etwas, was Körper und Geist belebt. Man hat das Gefühl, als hätten Engel in der Nacht auf den Bergspitzen gewacht so süß ist die Luft und so still die Erde. Die Schönheit patriarchalischer Ruhe liegt auf dem Lande. Was auch immer durch europäischen Einfluß angerichtet worden ist, die asiatischen Völker sind mit der Natur mehr im Einklang als Menschen im Westen ." — Hören wir noch den auf seine Abstammung stolzen Tancred-Disraeli: „Die Hebräer allein von allen alten Rassen sind noch vorhanden, und zwar in jedem Land, Zeugen einer geheimnisvollen und gewaltigen Vergangenheit." Und schließlich: wie eine Prophezeihung, die inzwischen in Erfüllung gegangen ist, liest sich heute die berühmte Stelle über „Die Feier der hebräischen Weinlese, das Laubhüttenfest": „Es gibt keine Weinberge mehr in Israel, aber die ewige Satzung verpflichtet die Kinder Israels, die Weinlese noch immer zu feiern. Ein Volk, das die Weinlese weiterfeiert, auch wenn es keine Früchte mehr erntet, wird seine Weinberge wiederbekommen. Wie unerbittlich ist das Gesetz! Welch unbezähmbarer Geist lebt in dem Volk!" Paul Mi c h a e 1 i s. Flavius Josephus: „Das Haus des Herodes" Zusammengestellt und übersetzt von Emanuel bin Gorion. Bücherei des Schocken-Verlages Nr. 58, Berlin 1936. Das große Interesse, das die Juden unserer Tage den Ereignissen der jüdischen Geschichte gegenüber haben, hat vor allem der Darstellung der heroischen Zeit unserer Geschichte zu neuem Leben verholfen. So darf auch das von Emanuel bin Gorion herausgegebene Bändchen: „Das Haus des Herodes" benannt, auf allgemeines jüdisches Interesse rechnen. In geschickter Weise hat hier der Herausgeber verschiedene Abschnitte aus dem Werke des Josephus und aus einigen andern Quellen zusammengestellt. Das hat eine durchaus einheitliche Sicht dieses wichtigen Abschnittes während der Makkabäerzeit ergeben. Es ist eben nicht nur ein Ruhmesblatt in dieser sonst so rühmlichen Makkabäerzeit. Wir finden hier das allzugeläufige Sprichwort: „Wo viel Licht ist, ist viel Schatten" in unangenehmster Weise bestätigt. Mancher heutige Leser wird kaum je geahnt haben, wieviel höfische Intrigen, wieviel brutales Denken und Handeln in einem 193

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