Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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eine klare und sorgfältig formulierte Darstellung des Wesens der prophetischen Theologie und Religion gegeben. Das Buch, das mit umfangreicher Materialkenntnis tief in die religionsphänomenologische Forschung eindringt, ist durch die Neuartigkeit seiner Fragestellung ein außerordentlich wertvoller Beitrag zur Phänomenologie des Prophetismus. Der ganze Reichtum semer Gedanken und Anregungen wird sich nur dem sorgfältigen Leser erschließen. Es ist aber durch die Gründlichkeit und Systematik,.mit der es in klaren Formulierungen Grundsätzliches über Prophetie und Religion zu sagen weiß, ein Buch, das nicht nur dem fachmännischen Leser Wertvolles gibt, sondern allgemeine Aufmerksamkeit beanspruchen darf. Alfred J o s p e. Benjamin Disraeli: „Earl of Beaconsfield, Tancred oder Der neue Kreuzzug" Jüdische Buchvereinigung, Berlin 1936. Der von der Jüdischen Buchvereinigung herausgegebene Roman „Tancred" gibt Veranlassung, einen Blick auf Disraelis Lebensschicksal und seine Stellung zum Judentum zu werfen. Märchenhaft und beispiellos war der Aufstieg dieses englischen Juden. 1804 als Sohn des wohlhabenden jüdischen Unterhaltungsschriftstellers Isaak Disraeli geboren, wurde Benjamin zwar beschnitten, hörte aber in seiner Kindheit sonst nichts von jüdischen Dingen. 1817 traten seine Eltern mit ihm und seinen drei Brüdern zum Christentum über. Trotz der Taufe erlebte er in der Schule die Kümmernisse eines Judenjungen. Der frühreife und maßlos ehrgeizige Jüngling nahm schließlich seine Ausbildung selbst in die Hand. Sein politischer Lebenslauf ist bekannt. Mit 33 Jahren tritt er ins englische Parlament ein, mit 48 Jahren wird er ins Ministerium berufen; 1868 wurde er, der Führer der Tories, Premierminister. „Der Judenjunge am Steuer", nannte ihn Carlyle. Queen Victoria aber, die Disraelis Verdienste um die Ausdehnung und Weltgeltung des British Empire wohl zu schätzen wußte, ernannte ihn zum Earl of Beaconsfield. Die alljährliche Wiederkehr seines Todestages — er starb am 19. April 1881 — ist fast ein nationaler Feiertag in England. Sein Denkmal in der Westminster-Abtei ist an diesem Primrose-Day über und über mit Primeln, seiner Lieblingsblume, geschmückt. Seine Verehrer und Bewunderer haben sich in der Primrose League zur Pflege seines politischen Erbes zusammengeschlossen. Disraeli war eine komplizierte und widerspruchsvolle Natur. Das christliche Bekenntnis zog ihn zur Kirche; das ererbte Stammesgefühl fesselte ihn weiter ans Judentum, ,loyalty to his race', nannte es sein politischer Gegner William Gladstone. Bevor er die politische Laufbahn betrat, bereiste er in den Jahren 1828—1831 Palästina, die Heimat seiner Väter. Er war in Jerusalem und sah die betenden Juden an der Klagemauer. Er sah, wie „Ismael, der Sohn der Magd", jetzt in dem Lande lebte, das die Juden hundertfach mit ihrem Blute gedüngt haben. Der alte Judenschmerz wird in dem Getauften wach. Er schreibt den phantastischen Judenroman „D a - v i d A 1 r o y" (1833; Alroy wird Beherrscher eines selbständigen jüdischen Reiches). Noch zweimal kam Disraeli in Romanen auf Judentum und Judenfrage zurück: in „C o n i n g s b y" (1844) und „Tancred" (1847), der hier zur Besprechung steht. „Tancred" ist jetzt von Julius E1 - bau neu bearbeitet worden und hat in dieser deutschen Uebertragumg an Gehalt gewonnen. Elbau hat den Text 192