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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 43

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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Recht eigenartig — und mehr als das — ist sein 1856, also vor nun 80 Jahren, mit Mr. Roggers, englischem Vizekonsul in Haifa, geführtes Gespräch. Da das Reisewerk heute im Buchantiquariat selten geworden ist und das Gespräch selbst Adolf Böhm (Zion. Bewegung, 2. Aufl., Bd. 1, Seite 464) nur aus einer gelegentlichen Mitteilung bekannt zu sein scheint, sei die Stelle (Nach Jerusalem, Bd. 2, Seite 251 bis 253) hier wenigstens auszugsweise wiedergegeben: Als wir auf dem Rückwege allgemeine Weltzustände, die sich zunächst auf die Gestaltung des Orients durch den letzten Friedensvertrag bezogen, besprachen und Herr Roggers wie über ein großes Thema geistvolle Variationen sprach, richtete er in einer plötzlichen Wendung die Frage an mich: „Glau- , ben Sie, daß die Juden wieder in das gelobte Land zurückkehren und hier herrschen werden?" — Nein, mein Herr. „Die Propheten sagen es aber voraus." Auch den Besitz Israels verkündet sein patriotischer Feldherr weit größer, als er geworden ist. „Eben darum müssen die Juden wieder zurückkehren in das Land ihrer Väter, um das Wort der heiligen Schrift zu erfüllen." . . . F.: Wie aber, wenn ich Ihnen den Spruch eines Propheten entgegenhalten würde, der in der Zerstreuung der Juden über die ganze Erde und nicht in ihrer Vereinigung hier auf dem kleinen Lande ihre zu lösende Aufgabe, die Verbreitung der Gottesidee findet? Es ist einer mächtigen Phantasie eigen, und die der Propheten war eine solche, daß sie oft Entgegengesetztes ausspricht, und je nach der momentanen Stimmung Anschauungen hat, die miteinander im Widerspruch sind/ Die Wahrheit und Ehr Würdigkeit der vollberechtigten erhabenen Stimmung sind aber nicht immer ewige Wahrheiten, oder wollen Sie von Männern, zumal des phantasiereichen Morgenlandes, die in der Begeisterung in Bildern und Symbolen sprechen, dieselbe Konsequenz wie vom verstandeisklaren Parlamentsredner des nebelreichen Nordens, wenn er die Sache des Volkes vertritt? . . . R.: „. . . Es sind Männer eigentümlich strenggläubiger Art, die in unserem Parlamente sitzen. Mancher, seien Sie überzeugt, mein Herr, würde in einem solchen Momente, was er jetzt als nicht an der Zeit, als nicht praktisch erkennt und verschweigt, dann ausgesprochen haben: Die Juden im gelobten Lande aus aller Herren Länder zu sammeln und es zu einem Jüdischen Griechenland etwa zu machen, oder Jerusalem zu einer Bundesfestung wie das deutsche Mainz. Nennen Sie solche Redner Phantasten, mein Herr! Aber es gibt Menschen, zumal im altgläubigen Altengland, die an die wörtliche Erfüllung der Propheten glauben, wenn sie noch so nüchtern sonst die Gemeininteressen des Landes vertreten." Man hat beim Lesen des Gespräches wirklich immer wieder Mühe, sich klar zu machen, was hier der nüchterne Engländer und was der gläubige Jude gesagt hat. Frankl schließt dies Kapitel, gewissermaßen den Mr. Roggers vor den Lesern entschuldigend, mit den Worten ab: „Es sind eigentümliche Gestalten, die sich auf dem dreimal heiligen Boden der Heiligen Stadt bewegen, und es ist, als strömte er einen unsichtbaren Hauch aus, der die Gemüter anders als im dunklen Abendlande stimmt. Da faßt nicht selten die Phantasie die Zügel der Gedanken, und was vielleicht an einem anderen Orte seltsam, unklar erscheint, hier hat es ein Recht, ausgesprochen zu werden. Man befindet sich eben im Lande der Wunder." Und damit es für den Leser auch poetisch besiegelt wird, bittet er an späterer Stelle die Stammutter Rahel: „Lehre Heimweh Deinem Volke; In ein Kanaan will sein Herz? Führe denn als Feuerwolke Seine Sehnsucht himmelwärts." Trotzdem täte man bitter Unrecht, ihn etwa als eine Art dichtenden Sanitätsrat jüdischen Glaubens abzutun. Das verdient er weder nach Wissen und Können noch nach Gesinnung. Es ist in diesem Zusammenhange viel- 189

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