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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 42

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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daß ich sie als eine Art Ergänzung und Fortsetzung meines „Aufrufs zum Judentum"*) betrachte, der vor 13 Jahren erschien und von einem bestimmten Standpunkte aus mir noch heute als mein wesentlichstes Werk erscheint« *j „Aufruf zum Judentum", IL Aufl. Verlag Siegfried Scholem, Berlin- Schöneberg. Bei Gelegenheit von: Ludwig Augast Frankl: „Nadi Ein Reisebericht aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bücherei des Schocken-Verlages Nr. 39. 1. Die von Hans Bach geschickt getroffene und geordnete Auswahl beschränkt sich auf eine Reihe noch heute fesselnder Landschafts-, Wirtschafts-, Sitten- und Folklore-Schilderungen sowie jüdischer und arabischer Legenden, dazu ein kurzes Nachwort. So kommt ein lebendiges Büchlein zustande, daß auch dem heutigen Juden, sogar dem Palästinenser mancherlei zu bieten hat. 2* Von einem vollständigen Neudruck des gleichnamigen, 1858 erschienenen zweibändigen Reisewerkes, das mit dem Ergänzungsbande „Nach Aegypten" (1868) an 1300 Seiten umfaßt, hat man mit Recht abgesehen. Sollte sich aber der eine oder andere durch das neue Schocken-Bändchen veranlaßt sehen, zu dem eigentlichen Werke zu greifen, so wird er sich durchaus belohnt finden. Es birgt außerordentlich reiches Material und ist nicht unverdient einst ins Hebräische und Englische, teilweise auch ins Französische, Italienische und Holländische übersetzt worden. Um dieses Reisewerks willen und wegen einer Reihe von Dichtungen jüdischen Inhalts, insbesondere der viele stimmungsvolle Palästinalieder enthaltenden Gedichtsammlung „Ahnenbilder" (1864), verdient L. A. Frankl, daß er nicht vergessen wird. — Von seinen sonstigen Dichtungen hat einst sein engerer Landsmann Hieronymus Lorm (Heinrich Landesmann), der unglücklich taubblinde Dichterphilosoph, übrigens ebenfalls Jude, nicht ohne Grund Jerusalem" gesagt, sie seinen „Drechslerarbeit, Erdichtetes, aber nicht Gedichtetes." Kaum begreifen wir heute mehr, daß ihn wegen dieser Dichtungen einst zwei österreichische Kaiser mit Auszeichnung empfingen, daß ihn für seinen „Colombo" die Stadt Genua zum Ehrenbürger ernannte u. s. f. ... Auch als Zeitschriftenherausgeber in Wiener Vor- und Nachmärzzeiten spielte er eine bedeutende Rolle, war — nach bitter durchhungerten Medizinstudentenjahren —■ bald eine einflußreiche Persönlichkeit in der Gesellschaft und ein eifriger Freund und verdienstvoller Förderer von Lenau, Grillparzer, Hebbel (— der ihn freilich in seinen Tagebüchern mit einigen boshaften Bemerkungen bedenkt —), Anastasius Grün. Sogar Felix Dahn hat ihn persönlich sehr geschätzt. Nach der Einweihung des Wiener Schillerdenkmals, um das sich Frankl sehr bemüht hatte (— der greise Grillparzer hat ihn für seine ewige Denkmaiskomiteegründungsleidenschaft einmal recht lustig verspottet —), erhielt er vom Kaiser Franz Josef den Adel. („Ritter von Hochwart", in Anspielung auf das Israelitische Blindeninstitut auf der Hohen Warte, das ihm ebenfalls seine Entstehung verdankte.) — Im übrigen war er 40 Jahre hauptamtlicher Sekretär der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und hat sein ganzes Leben hindurch an allen jüdischen Bestrebungen warmherzig und tätig teilgenommen. (Auch die Palästinareise hat er s. Zt. unternommen, um im Auftrage einer hochherzigen Wiener Jüdin, unter grimmiger Bekämpfung seitens der Jerusalemer Chaluka- Kreise, die noch heute bestehende Lämelschule zu begründen.) 188

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