Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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von Berthold Feiwel geprägtes Wort! — von bedeutendem Wert für unsere Sache in Palästina sein würde.) Es ist unsere tiefe Ueberzeugung, daß ein solchermaßen gestalteter, allen echten Fragen mit weitem Blick begegnender Geschichtsunterricht in einem jüdischen Gymnasium Kräfte entbinden würde, die in diesen Tagen verkümmern. Das Lehrsystem des Ostens ist reformbedürftig, das mitteleuropäische Judentum, in seiner geistigen Wurzel getroffen, sucht neue Wege, in Amerika denkt man überwiegend in einem uns unv?rslellbaren Maße problemlos, in Westeuropa sind unsere Dinge wie alle tieferen Fragen unserer nationalen Entwicklung nur einem kleinen Kreis bekannt, und die palästinensische Situation, das lehren uns in Europa studierende Palästinenser, ist mehr als unbefriedigend. Unsere Darlegung sollte nur ein Prolegomenon sein. Die weitere Behandlung der Frage muß Sache unserer Pädagogen sein. Wird anerkannt, daß unsere Zeilen eines der vielen lösungsbedürftigen Bildungsprobleme unserer Generation berühren, so würden wir, die wir weder Historiker noch Philologe, sondern praktisch arbeitender Nationalökonom sind, dieses Interesse dankbar begrüßen. Über Max Wieners: Jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation Von Bbr. Georg Wunderlich, Oppeln. Wieners Buch, 1933 im Philo-Verlag erschienen, von der Kritik teils mit, teils ohne Verständnis gelobt, vom Publikum wenig beachtet, hat es bis heute nicht zu einer zweiten Auflage bringen können. Das hat dies bedeutsame Buch nicht verdient. Die Bundesbrüder haben Anspruch, es an dieser Stelle wenigstens durch einen eingehenden Hinweis kennen zu lernen. Wir haben deshalb von Bbr. Q. Wunderlich, gleich gutem Kenner der Religionsgeschichte und der Grundlagen des Nationaljudentums, den nachfolgenden Aufsatz erbeten, der übrigens gleichzeitig die politisch-zionistischen Ausführungen von Bbr. H. Friedenthal auf einem verwandten Gebiete zu ergänzen geeignet ist. D. Red. I. Wiener geht von der unbezweifelbaren Tatsache aus, daß das jüdische Volk bis zum Beginn der Emanzipation eine Einheitskultur besaß, die durch das jüdische Religionsgesetz bestimmt war. Das ist richtig. Und es berührt bei einem heutigen jüdischen Theologen wohltuendi die für uns selbstverständliche Voraussetzung der volkhaften Grundlage besonders in der Einführung immer wieder betont zu sehen. Freilich kann kein Volk nur durch eine Eigenschaft oder besser gesagt durch eine Eignung genügend charakterisiert werden. Vielmehr müssen zu voller Erfassung seines Wesens alle Gebiete des Seelenlebens herangezogen werden. Mag auch für unser Volk zugegeben sein, daß das Religionsgesetz das Leben der Gemeinschaft und des Einzelnen bis in die feinsten Verästelungen des täglichen Daseins durchdringt, so reicht dieser Sachverhalt doch nicht aus, Wesen und Dasein unseres Volkes in seinem ganzen Umfange zu verstehen. Dazu ist erforderlich, zum mindesten auch andere Kreise des Seelenlebens in den Umkreis der Betrachtung zu ziehen. Denn unterscheidendes Merkmal des Judentums gegenüber allen anderen Völkern ist ja gerade — von unserem Standpunkt aus gesehen —, 181