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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 32

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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Zum Problem desfüdisdhenGescfiicfitsunterricfits Von Bbr. Emanuel Weiner, London. Das Privileg, am literarischen Organ eines Freundeskreises mitzuarbeiten, wird selten gern gewährt. Die Redaktion fürchtet Stammler, und da sie wie alle Eliten Ambitionen besitzt, so bestimmt sich der Kreis der Bevorzugten nach bestimmten, in besseren Abhandlungen der Soziologie nachzulesenden Gesetzen. Wir gehören, weil wir keine berufsmäßigen Schreiber sind, zu den Stammlern und wissen daher die bedingte Anei'kennung, die uns durch Annahme unserer Stammelei zuteil wurde, nicht hoch genug einzuschätzen.") Ad rem. Der Zusammenbruch der Assimilationsideologie hat bei den Menschen, denen wirklich etwas zerbrochen worden ist, zu einer Revision von Auffassungen — man soll nicht immer gleich von Weltanschauung reden; wir sagen: Auffassungen — geführt, in deren Kategorie auch das breite Feld des Problems des sogenannten Geschichtsbildes fällt. Wir haben an dieser Stelle die Absicht, zu diesem Problem nur in knappen Zügen Stellung zu nehmen. Diese Absicht beinhaltet keine unzulässige Vereinfachung des in Frage stehenden Problems. Wir sind lediglich der Meinung, daß es legitim ist, eine bestimmte Gedankenreihe unbeschwert von jeder literarischen Auseinandersetzung vorzutragen. Das Problem des jüdischen Geschichtsunterrichts in seiner kulturgeschichtlichen Fragestellung verlangt nicht nur vom pädagogisch—methodischen Gesichtspunkt her eine Klärung dessen, was jetzt sehr häufig von Zionisten und Nichtzionisten „Geschichtsbild" genannt wird. Es handelt sich vielmehr bei diesem Problem um die Notwendigkeit der Erkenntnis, daß jüdischer Geschichtsunterricht ohne die Voraussetzung einer wissenschaftlich exakten Klärung des Fragenkreises „Geschichtsbild" gar nicht denkbar it. Wir wollen den Versuch eines Beweises wagen, daß in dieser unserer Position keine petitio principii beschlossen liegt. Jüdische Geschichte, wie sie «ich dem Rückblick auf die Jahrtausende entrollt, ist und bleibt G e i s t e s geschichte. Ohne den bekannten und oft mißbrauchten Begriff des Geistesgeschichtlichen in puritanischer und asketischer Manier monokausal zu nehmen, stellen wir fest, daß das geschichtliche Judentum, dessen Erben wir sind, von seinen frühesten Tagen bis heute, von Mosche bis Weizmann, ein kontinuierlicher, ununterbrochener Prozeß geistiger Auseinandersetzung gewesen ist. Dieses Faktum hat jeder jüdische Geschichtsunterricht, sofern er nicht einer kritiklosen und unfruchtbaren Position verhaftet bleiben soll, zur Kenntnis zu nehmen. Die Feststellung dieses historischen Faktums führt notwendigerweise zu einer Untersuchung der einzelnen Phasen dieses einzigartigen Geschichtsprozesses, so etwa der Epoche des Rambam oder der Moses Mendelsohns. Die Einzelanalysen bestätigen uns dann, was der Obersatz aufstellte, nämlich daß das „Geschichtsbild" dieses Volkes ein großes Zwiegespräch mit seinem Gott und den Völkern war. Wir erhalten somit ,ein Bild, dessen Standort klar und eindeutig festgelegt ist. *) Und das uns, die wir selbst weder Schreiber noch überhaupt berufsmäßig sind, überdies die Stammler herbeigerufen haben. (Vgl. J.W. 1936, S. 45.) 178

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