Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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der Landwirtschaft unter kaufmännischen Gesichtspunkten betrachtet, wird sehr leicht herausfinden, daß es anders, nicht landwirtschaftliche Kapitalsanlagen gibt, die eine bessere und sicherere Verzinsung ergeben. Und wenn Ihr wirklich Landwirte fragt, die ihr Land selbst bearbeiten, werdet Ihr zu Euerm Erstaunen hören, daß von allen Zweigen der Landwirtschaft der Pardess immer noch der rentabelste ist; die Verdienstmöglichkeiten in der Falcha sind weit geringer und das Risiko in der Viehwirtschaft weit größer. Aber wohl gemerkt immer vorausgesetzt, daß man als Bauer seinen Pardess selbst bearbeitet. Natürlich gibt es auch hier Probleme: aber während diese für den Kaufmann auf der Einnahmeseite liegen (Absatz, Markt), wird der Bauer die Ausgabenseite einer Durchsicht unterziehen. Die Fragen, die dann auftauchen, sind die nach der Rationalisierung der Bearbeitung und der Versorgung des Pardess mit Dünger (der meist für teures Geld gekauft wird) aus eigenen Beständen (entsprechende Entwicklung der Viehwirtschaft). Pardess ist ein Zweig der Landwirtschaft: das heißt, daß dieser Zweig auch in der gemischten Wirtschaft entsprechend eingegliedert sein muß. Mit dem Begriff der gemischten Wirtschaft hat man viel Unfug getrieben; eine solche liegt nicht vor, wenn man Hühner und Gemüse hat, und man kann eine solche Wirtschaft nicht in Gegensatz zu der Monokultur des Pardess stellen. Es ist aber auch nicht richtig, die gemischte Wirtschaft überhaupt der Pardesswirtschaft gegenüberzustellen. In der Pardessgegend gehört der Pardess in die gemischte Wirtschaft hinein und zwar in dem Maße, wie die Wirtschaftszweige einander ergänzen; dort, wo Pflanzungen nicht möglich sind, baut sich eine gemischte Wirtschaft natürlich anders auf. Aber wenn man heute (auf Grund der oben erwähnten Ideologie) uns von gemischten Wirtschaften ohne Pardess (aus Prinzip!) erzählt, so verkennt man, daß man für jede Wirtschaft die natürlichen Gegebenheiten des Landes ausnutzen muß, und schließlich ist die Jaffaorange ein Monopolprodukt. Aber daneben ist der Pardess entwicklungsfähig; in den letzten Jahren hat man neue Sorten von Citrusfrüchten angebaut, und es gibt eine Citronensorte, die zu. einer Zeit reift, da sie konkurrenzlos auf den Markt gebracht werden kann. Ich habe hier einiges zusammengeschrieben, was auf gewisse typische Fragen und Ausführungen von Besuchern und Freunden aus der Stadt zu erwidern wäre. Vieleicht gibt es auch unter Euch den einen oder andern, der es liebt, alles auf einen Generalnenner zu bringen, und der vielleicht sieht, daß die Problemstellung doch nicht so einfach ist. Aber zum Schluß noch einiges über unsere Mitsiedler aus Deutschland. In meinem von Dir erwähnten Brief an die Z.V.fD. habe ich über die Wichtigkeit der korporativen Arbeit in der Landwirtschaft geschrieben. In dieser Beziehung muß ich nun leider der Mehrheit unserer deutschen Siedler ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Viele von ihnen haben für korporative Arbeit kein Verständnis; teils gehen sie nicht in die korporativen Organisationen hinein, teils genügen kleine Sondervorteile, um sie die Grundsätze ihrer Korporative vergessen zu lassen. Bei den älteren Siedlern liegt es hier, von Ausnahmefällen abgesehen, besser. Vielleicht haben unsere Leute zu viel Jahre individualistischer Erziehung und Tätigkeit hinter sich, um in einer Moschawah, in der sie ja an sich nicht gebunden sind, sich selbst zu , beschränken. Für die wünschenswerte Siedlungsform gibt dies sehr zu denken; ich glaube heute, daß die Form des Moschaw owedim eher geeignet ist, die individuelle Sphäre in angemessener Weise zu begrenzen. Zum mindesten sollte man bei der Ansiedlung die kollektiven Angelegenheiten so bindend ordnen, daß man Außenseitern wenig Gelegenheit zu ihren Sonderaktionen gibt. Mit bundesbrüderlichem Gruß Dein W. D. 177