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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 29

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Teil landwirtschaftlich-fachlicher Natur geworden, so daß sie entweder entsprechende Vorkenntnisse oder eine größere Abhandlung erfordern. Zur letzteren aber fehlt mir die Zeit, zumal die gegenwärtige Lage an uns noch andere Anforderungen neben der regulären Arbeit stellt. Es kommt noch ein erhebliches Bedenken gegen die Abfassung der gewünschten Schilderung hinzu2 wir wissen, daß Palästina Euch heute so nahe gerückt ist, daß das äußere Bild unseres Lebens und unsere Probleme Euch bekannt sind. Jede oberflächliche Schilderung muß deshalb heute banal oder überflüssig wirken. Freilich ist es etwas anderes, ob man Probleme abstrakt stellt oder sie an der Wirklichkeit erproben muß. Daß z.B. die gemischte Wirtschaft die Grundlage für den landwirtschaftlichen Aufbau sein muß, könnt Ihr bei Ruppin oder andern Sachverständigen nachlesen und begreifen, während in der Praxis die Einführung jedes Wirtschaftszweiges mit den Gegebenheiten in Einklang gebracht werden muß. Wer sich eine neue Kuh anschafft, muß sich fragen, ob genügend Boden vorhanden ist, ob das Wasser ausreicht oder der Wasserpreis den Anbau von Grünfutter rechtfertigt, ob der Milchpreis (nach den Verkehrsverhältnissen, Nähe zur Stadt) hoch genug ist, um den Ankauf von Futter zu rechtfertigen usw. Nimmt man noch hinzu, daß unser Boden Neuland ist und ein eigenes Studium rechtfertigt, daß neben den rein landwirtschaftlichen Problemen Markt- und Absatzverhältnisse ökonomische Aufgaben bedingen, so ergibt sich ein weites Gebiet, das uns auch theoretisch immer wieder zu neuem Studium zwingt und das uns vor Aufgaben stellt, die weit interessanter sind als die unserer früheren Berufe. Aber Du wirst begreifen, daß man hierüber entweder sehr gründlich schreiben und Ziffern und Belege bringen muß oder nur so oberflächlich sein kann, daß man Euch nichts Neues bringt. Freilich zeigt es sich fast stets, daß die Kenntnisse unserer Besucher meist nur theoretischer Natur sind und daß ihnen vor allem die kleinen, aber für uns so wichtigen Erfahrungen unseres täglichen Lebens abgehen. Fast jeder Besucher, der zu uns im Herbst kommt, pflegt zu fragen: „Wie seid Ihr über den Sommer hinweggekommen?" In einer besonders lebhaften Touristensaison wollten wir schon zur Vereinfachung ein entsprechendes Antwortschild anbringen. Dabei lernen doch auch Touristen schnell im Lande, daß Wärme und Kälte relative Begriffe sind und daß man auch am Abend bei objektiv ziemlich hoher Temperatur frieren kann, wenn es am Tage heiß war. Auch an die Arbeit in der Wärme kann man sich gewöhnen, wenn man auch vorher in Europa an heißen Tagen besonders gelitten hat. Das Geheimnis ist: nicht auf die Temperatur, sondern auf den erfrischenden Meereswind kommt es an. Deshalb ist die Arbeit in den Morgenstunden, wenn der Wind noch nicht eingesetzt hat, meist unangenehmer als am späteren Vormittag; deshalb ist es in den Häusern in den Abendstunden am wenigsten schön, weil dann der Wind ausgesetzt hat, die Häuser nicht mehr durchlüftet sind und dafür die Wände die Wärme des Tages ausstrahlen. Deshalb leiden wir auch nicht so sehr unter dem Sommer wie unter den Chamsim-Winden, die aus dem Osten kommen. Ich erwähne diese Einzelheit, weil die typische Frage des Touristen — und ich setze dabei denjenigen voraus, der gut vorbereitet ins Land kommt — so bezeichnend für den Mangel an Kenntnis der primitiven Lebensbedingungen ist. Oft handeln die Touristen schuldhaft, wenn sie nicht die genügende Fühlung mit dem täglichen Leben bekommen. Wie oft werden wir „besichtigt", soweit es die knappe Zeit erlaubt und nur zu oft mit einem von uns wirklich nicht gewollten Mitleid mit unserm schweren Leben. Da kommt man zwischen Autobus und Autobus und muß noch 3 bis 4 Bundesbrüdern guten Tag sagen — anstatt einem guten Freund vorher eine Karte zu 175

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