Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2827066-3186705-3186709--1295-3187365- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
Die christl.-europäischen Aerzte hatten früher ca. 8 Prozent der Gesamtärzteschaft in E. J. gestellt, heute sind es ca. 2,5 Prozent. B: 147 arabische Aerzte. Von ihnen sind 38 in Regierungsstellen (26 Prozent), 16 Aerzte sind in Missions- und ähnlichen Krankenhäusern angestellt. 40 Prozent der Gesamtzahl arabischer Aerzte sind also in fix besoldeten Stellen. Die übrigen 60 Prozent von ihnen wohnen an 23 Punkten des Landes, die Mehrzahl dieser 60 Prozent (ca. 74 Prozent) wohnen in den 6 größeren Orten des Landes (Jerusalem, Jaffa, Haifa, Akko, Gaza, Sichern). In den arabischen Dörfern, sogar den größeren, sitzt kaum ein Arzt. Die materielle Lage der arabischen Aerzte ist im allgemeinen keine schlechte, sie sind meistens Söhne sehr vermögender Eltern, (arme kommen nicht in die höhere Schule und an die Universität!) Ihre Einnahmen aus der freien Praxis waren bis vor kurzem sehr gering, denn E. J. war bis vor kurzem ein sehr armes Land, und die arabische Bevölkerung war praktisch bargeldlos. Außerdem war auch die Kulturstufe der palästinensischen Araber verglichen mit der der Araber Aegyptens und Syriens eine ziemlich niedrige. Meistens konnten die Land- und auch die Stadt-Bewohner im wahrsten Sinne des Wortes keinen Piaster zahlen. Die Regierungsspitäler behandelten sie umsonst. Nur die ganz geringe Zahl bemittelter Araber ging zu Privatärzten, dann aber meist zu europäisch-christlichen Aerzten, nicht zu Juden. Zu gleicher Zeit aber gab es einen relativen Aerztemangel in den reicheren arabischen Ländern, Aegypten, Syrien, Irak und Aegypten. Kennzeichnend ist, daß von den 73 hinzugekommenen arabischen Aerzten (von 1925 bis 1934) 62 das Land wieder verlassen haben, um in die benachbarten reicheren Länder zu gehen. Von ihnen sind wieder 20 in den letzten 3 Jahren zurückgekehrt, als sie von der guten Entwicklung des Landes hörten. Die Zahl der arabischen Aerzte ist seit 1925 bis heute von 116 auf 147 gestiegen. Trotzdem sind sie, im Verhältnis zu der Gesamtzahl der Aerzte, in Prozenten ausgedrückt, weniger geworden, nämlich von 22 auf 10 Prozent gefallen. Diese Zahlen beweisen objektiv die Verbesserung der Lage der arabischen Aerzte. Erstens brachte das jüdische Kapital einen gehobenen Kulturzustand (Besuch von Privatärzten) und eine materiell viel bessere Lage der arabischen Bevölkerung, da heute schon ein großer Teil den Arzt bezahlen kann! In erster Linie profitieren daran die arabischen Aerzte, da sich die Araber hauptsächlich an sie, die unter ihnen wohnen und Kenner ihrer Sprache, Sitten und Gewohnheiten sind, wenden. Dadurch wurde die Lage der frei arbeitenden arabischen Aerzte zum ersten mal überhaupt gehoben, später sogar sehr gut. Aber gerade von den arabischen Aerzten kamen die Klagen über die jüdische Einwanderung im allgemeinen und die jüdischen Aerzte im besonderen. Sir John Simpson, der sich von den arabischen Aerzten falsch unterrichten ließ, ging daraufhin gegen die jüdische Einwanderung vor. In Wahrheit verhielt es sich so: 1. das jüdische Kapital machte den absolut geldlosen Araber reich und gab ihm die Möglichkeit, sich an einen — meist arabischen — Privatarzt zu wenden, 2. durch den erhöhten Kulturstandard hörte der Araber immer mehr auf, in die „schlechten" (meist gar nicht der Fall!), umsonst arbeitenden Kliniken und Polikliniken zu gehen, sondern gewöhnt sich daran, zum Privatarzt zu gehen, der „gelehrter" ist und sich „mehr Mühe gibt", 3. durch die genannten Faktoren blühte das Land auf, die Abwanderung, die früher beträchtlich war (in die reicheren Nachbarländer), hörte auf. 173