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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 23

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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und, was noch schlimmer ist, die Beziehungen zur Arbeit wurden schlechter: der Poel, dem einst bei der Arbeit bewußt war, daß er sein Land bebaut, arbeitet seine 20 Piaster bei seinem Arbeitgeber ab, Auf der andern Seite sind diese tatsächlichen Mängel von dem Ikar, der arabische Arbeit bevorzugt, meist nur vorgeschützt, während für ihn die Lohnersparnis die Hauptsache ist. Und weil diese Fragen alle materieller Natur sind, werden wir nach den Unruhen wieder vor ihnen stehen. Es bleibt zu hoffen, daß die gegenwärtige Lage dazu ausgenutzt wird, schon jetzt durch Schaffung von Arbeitsnormen usw. die Grundlage für weitere jüdische Arbeit zu bilden, und hierfür sind hoffnungsvolle Anfänge vorhanden. Aber die grundlegende Entscheidung liegt vor diesen Einzelfragen; sie ist zionistisch a priori: das Land müßte jüdisch aufgebaut werden, auch wenn uns zufällig keine Fremdarbeit zur Verfügung stehen würde. Solche zionistischen Erkenntnisse setzen sich leicht durch — d. h. in der Theorie; in der Praxis sieht es nur zu oft anders aus. Und hier will ich ein entscheidend wichtiges Gebiet berühren, nämlich die Stellung des Städters zur jüdischen Landarbeit. Ich bin beim Bundesbruder X. in der Stadt zu Besuch. Wir sprechen über die Ikarim in B., die Araber beschäftigen, und er gibt seiner Empörung darüber Ausdruck. Zum Unglück ladet er mich zu einer Tasse Kaffee ein, und auf den Tisch kommt kondensierte Milch (die aus Holland stammt, oft in geschmackvollen Büchsen mit dem Bilde Trumpeldors und der passenden Aufschrift). Ich frage, weshalb er nicht Milch von der Tenuwah kauft und erhalte eine Rechnung, wie viel billiger und für den Verbrauch zweckmäßiger kondensierte Milch ist. Harmlos frage ich, wo die Hausfrau die Eier kauft, und es ergibt sich wieder, daß es bei der Tenuwah zu teuer ist, und daß man bei einem nahen Händler billigere^ Eier bekommt (die aus Syrien stammen). Das gleiche Bild ergibt sich bei der Butter, das gleiche beim Gemüse. Die einwandfrei jüdischen Produkte seien zu teuer. Der Bundesbruder ist nun höchst erstaunt, als ich ihm erkläre, daß er ein viel schlimmerer Verräter an dem Prinzip der jüdischen Arbeit sei, als der Ikar, der mit Arabern arbeitet., Denn er tritt für jüdische Arbeit ein, will aber die Mehrkosten der Arbeit nur dem Bauern aufbürden, sich an ihnen aber nicht beteiligen. Wer die jüdischen Produkte nicht abnimmt, gibt den Grund für arabische Arbeit. Die Ikarim in B., über die der Bundesbruder zornig ist, und die auch als Zionisten und jahrelang vor ihm herüberkamen, können wenigstens noch die Begründung bringen, daß sie jahrelang gehungert haben und ihre Produkte nicht loswerden konnten, ja daß ihre Poalim, für die sie den Arbeitslohn kaum aufbringen konnten, billigere Produkte verzehrten. Einwand: der beschränkte Etat gestatte keine Mehrausgaben. Man setzt sich hin und rechnet und erhält eine Differenz von etwa 30 Piaster im Monat bei der Butter, und bei allen landwirtschaftlichen Erzeugnissen zusammen von kaum mehr als 1 Pfund monatjich. Das ist zugegebenermaßen ein erheblicher Betrag; aber der Bauer, der mit Juden arbeitet, wendet dafür mehrere Pfunde im Monat auf und entbehrt in seiner ländlichen Einsamkeit alle die Genüsse, die in der Stadt täglich mit Selbstverständlichkeit sich ergeben. Wenn man will, läßt sich das Pfund einsparen. Ich habe solche Befragungen nun in letzter Zeit häufig vorgenommen und zwar bei Bundesbrüdern und Zionisten, die aus ähnlichem Milieu stammten und mit dem Ergebnis, daß ich fast keinen getroffen habe, der die Konsequenzen aus dem Grundsatz der jüdischen Arbeit zog; fast alle handelten wie Zionisten, die für den Massergedanken eintraten', ohne einen Pfennig zu 169

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