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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 20

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Ueber den Ton natürlich, in dem solche Aufsätze geschrieben werden, kann man verschiedener Meinung sein. Ein „Geschimpfe" war das nicht. Schlimm aber ist es, daß auch in unserem Kreis manch einer in jeder Aeußerung unzufriedener Opposition persönliche Angriffe sieht. Auch Bbr. Locker verfällt diesem Irrtum. In seiner Erwiderung wird keine meiner Behauptungen wirklich widerlegt, sondern lediglich der Versuch gemacht, meine Kritik zu bagatellisieren. Was soll etwa die Frage, warum ich „volle 3 Jahre gewartet habe, ehe ich meine Stimme erschallen ließ", und „welchen Zweck' meine verspätete Flucht in die Oeffentlichkeit haben soll"? Ich möchte darauf erwidern: 1. Ein Fehler bleibt ein Fehler und ein falscher Weg bleibt ein falscher Weg, auch wenn sie erst nach 3 Jahren aufgedeckt werden. Ein Unrecht an der hebräischen Sprache und am hebräischen Erziehungswerk kennt keine Verjährung. Es wird nicht dadurch, daß es etwas später an die Oeffentlichkeit gelangt, ungeschehen gemacht, höchstens kann die Abhilfe etwas später als notwendig einsetzen, und es ist immer „besser später, als nie". — Bbr. Locker könnte mir vielmehr eine bewunderungs werte Geduld nachsagen, die mich 3 Jahre lang warten ließ, Wenn das ein Vorwurf sein soll, dann nehme ich ihn gerne auf mich. 2. Was hier vorliegt, war keine „Flucht in die Oeffentlichkeit", denn ich habe nicht in einer in vielen Tausenden erscheinenden Zeitung geschrieben, die für die jüdische Oeffentlichkeit bestimmt ist, sondern im Organ des K.J.V., das als intern zu betrachten ist, dem ich aber einen starken Einfluß auf die Politik der Z. O. zuschreibe, da deren meiste führende Persönlichkeiten sich aus dem K.J.V. rekrutieren. An ihnen liegt es, in den unhaltbaren Zuständen Wandel zu «schaffen; es geht aber nicht, sich aus der Affaire zu ziehen, indem man der Kritik bei einem sehr ernsthaften Problem mit Ironie beizukommen sucht, 3. Warum ist eine Flucht in die Oeffentlichkeit verspätet? Sollte sich die Z. O. auf den der hebräischen Erziehung schädlichen Weg bereits so stark festgelegt haben, daß es kein Zurück mehr gibt? Ich berühre einige „argumenta ad hominem", die kein hohes Niveau in unsere Diskussion hineingebracht haben, auf die ich aber, da sie nun einmal von Bbr. Locker vorgebracht werden, wenn auch widerwillig, eingehen muß. Bbr. L. wirft mir vor, daß ich Lehrer bei der Gemeinde bin, also von mir „weniger Idealismus zu erwarten sei", als von dem Durchschnitt der Lehrer in der B. Z. V. — Abgesehen davon, daß derartige Argumente sich von selbst richten, ist es mir niemals eingefallen, dem von der Z. 0. beschäftigten Durchschnitt der Lehrer jeden Idealismus abzusprechen. Vielen will ich ihn gern zubilligen, aber ich bleibe bei meiner Behauptung, daß das Maß von Idealismus bei manchen ihr Können bei weitem übersteigt. Bbr. Locker gibt zu, daß man sich manchmal mit zweit- und drittklassigem Material bei der Z. O, behelfen mußte, (ich gehe sogar weiter und sage m u ß), zählt aber auch einige erstklassig erfahrene Lehrer auf," die in den Dienst der hebräischen Arbeit der Z. 0. sich gestellt haben. Wie unangenehm, daß ihm dabei auf der Suche nach Namen über 40 Prozent Menschen einfallen, die bereits seit 1933 nicht mehr in Deutschland sind, oder solche, die in den Kursen der Z. 0. nicht unterrichten! Welche Schlüsse lassen sich daraus, daß man schon mit „toten Seelen" auffüllen 166

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