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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 18

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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um unsere Interessen zu schützen. Wo immer die Regierung allmählich ihren Standpunkt gewandelt hat: wenn sie allmählich ihre Streitkräfte lockerer über das ganze Land verteilt hat, wenn die Oeffnung der versiegelten Waffenlager in den Kolonien verfügt und Waffen an jüdische Hilfspolizisten verteilt wurden, wenn man schließlich zur Mode der Kollektivstrafen überging, wenn in Tel-Aviv Regierungsbehörden etabliert wurden, wenn die Erlaubnis zum Ausladen von Schiffen in Tel-Aviv erteilt wurde, wenn die Regierung zugestimmt hat, die Hälfte der Kosten der Verpflegung der Jaffaer Flüchtlinge zu übernehmen, bei all diesen Maßnahmen — und ich habe nur einige aufgeführt — hat die Exekutive unsere Organisation, unsere Interessen mit größter Entschiedenheit und mit einem gewissen Maße von Erfolg vertreten. Ueber die Zukunft läßt sich schwer etwas aussagen. Ich möchte annehmen, — ich möchte jedenfalls hoffen, — daß der arabische Streik und die Terroraktion nach einer gewissen Zeit aus äußeren oder aus inneren Gründen zusammenbrechen werden, und ich glaube nicht, daß er eine dauernde und entscheidende Gefahr für den Bestand unseres Aufbauwerkes bildet. Und dann, wenn Ruhe eingetreten sein wird, dann wird aller Voraussicht nach in unserem Lager die Diskussion über die Probleme der jüdischarabischen Beziehungen erneut einsetzen. Es ist ja nun einmal so, daß wir Zeit für diese Erörterungen immer nur finden, wenn wir durch eine Katastrophe an die Dringlichkeit und Schwierigkeit des Problems erinnert werden. Es gab in unserem Lager eine Diskussion dieses Inhalts in der Zeit des Weißbuches vom Jahre 1929. Es gab eine lebhafte Auseinandersetzung im Anschluß an die Unruhen vom Jahre 1929, eine Auseinandersetzung, die mit der Resolution des Kongresses vom Jahre 1931 und dem Rücktritt Dr. Weizmanns ihren vorläufigen Abschluß fand. Wir haben einer ernsten Behandlung des Problems immer auszuweichen verstanden. Wir haben für politische Arbeiten im Orient, und überhaupt für politische Arbeit, niemals ausreichende Geldmittel zur Verfügung gehabt, und das Wort Dr. Weizmanns, das auf dem Kongreß im Jahre 1921 gesprochen wurde: „Ich habe in diesen Jahren 8000 LP. für politische Arbeit zur Verfügung gehabt. Für 8000 LP. hatten Sie genug Politik" hat seine Geltung auch für die folgenden Jahre behalten. Weder in gedanklicher, noch in praktischer Arbeit ist auf diesem Gebiete jemals Notwendiges und Ausreichendes geschehen. i In der zionistischen Bewegung kann man bei der Beurteilung der arabischjüdischen Beziehungen drei Strömungen unterscheiden. Die Revisionisten glauben nicht an eine Möglichkeit der Verständigung mit den Arabern. Sie fordern daher — und ein gelegentliches Abweichen von dieser Haltung kann man nur als Inkonsequenz bezeichnen — engste Anlehnung an England, unter dessen aktiver Mitwirkung (Kolonisationsregime), mit größter Beschleunigung jüdische Massen in Palästina angesiedelt werden müssen, in einer Siedlungsposition, die durch ihre eigene numerische Stärke und durch Selbstschutz im Rahmen der Landespolizei oder Militärkräfte unangreifbar gemacht werden soll. Demgegenüber steht eine andere Auffassung, die das Vertrauen auf die Unbedingtheit und den Umfang der englischen Hilfsbereitschaft für illusorisch hält und der Meinung ist, daß auf die Dauer ein Nebeneinanderleben von Juden und Arabern in Palästina eine Verständigung über die politischen Ziele der zionistischen Bewegung zur Voraussetzung hat. Diese Richtung fordert den staatsrechtlichen Aufbau Palästinas auf der Grundlage politischer Parität, d.h. die Schaffung einer Landesverfassung, bei der unabhängig von den Majoritätsverhältnissen, gleichviel also, ob die Juden oder die Araber 164

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