Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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fest. Es ist die Politik einer wohltemperierten und vorsichtigen Förderung des Aufbaues des jüdischen Nationalheims. Man gibt den Juden die „Chance", aus eigenen Mitteln ihr nationales Heim aufzubauen und hält sich im Wesentlichen nur für verpflichtet, jene äußere Ruhe und Ordnung im Lande aufrecht zu erhalten, ohne die ein solcher Aufbau unmöglich ist. Dabei wird alles getan, um die wirtschaftlichen und nationalen Interessen der Araber zu schützen und ihre Empfindlichkeiten zu schonen. Es wird alles vermieden, was als eine einseitige Parteinahme für die Juden aufgefaßt werden könnte. Eine Politik also, die die Last des Aufbaues von jüdischen Schultern tragen läßt, und weit davon entfernt ist, jenes „Kolonisationsregime" darzustellen, welches die Revisionisten fordern, wenn sie verlangen, daß der Aufbau in großem Umfange durch Einsatz staatlicher Mittel gefördert wird. Die positiven Faktoren dieser Politik sind — wie gesagt — die Aufrechterhaltung der Sicherheit im Lande und Gewährleistung der Einwanderung, allerdings in den Grenzen der mit äußerster Vorsicht abgemessenen wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes. Unsere Frage lautet also: Haben die Engländer diese soeben skizzierte Politik einer wohltemperierten Förderung der zionistischen Bestrebungen aufgegeben? Ich sage mit aller Entschiedenheit und habe es vom ersten Tage der Unruhen an gesagt, daß zu einer so pessimistischen Beurteilung kein Grund vorliegt. Heute, wenige Tage nach Zuteilung der neuen Labour- Schedule und nach Verkündung des Regierungsbeschlusses, welcher in gewissen Grenzen das Ausladen und Beladen von Schiffen im Hafen von Tel- Aviv gestattet, begegnet man mit dieser Beurteilung größerem Glauben, als es noch vor kurzer Zeit der Fall gewesen wäre. Niemand hat das Recht, zu sagen, daß die Engländer den Zionismus aufgegeben haben, obschon es richtig ist, daß die Engländer die Vorgänge in Palästina nicht mit unseren Augen ansehen. Wenn wir daran denken, daß im Jahre 1921 auf die Unruhen die zeitweilige Einstellung der Immigration folgte, und daß man im Jahre 1929 bei den Unruhen mehr als 40 jüdische Hilfspolizisten, darunter eine erhebliche Anzahl englischer Juden, entwaffnete, einfach weil man glaubte, dem Drängen der Araber nachgeben zu müssen, so ist die Haltung der Regierung heute eher fester als früher. Und wer meint, daß am Schlüsse doch Konzessionen an die Araber gemacht werden dürften, ist zu dieser Schlußfolgerung jedenfalls nicht auf Grund des Verhaltens der Regierung in dem gegenwärtigen akuten Konflikt berechtigt. Die Reaktion des Jischuw» Ich habe es für richtig gehalten, in diesen meinen Ausführungen vor allem über die arabische und englische Auffassung zu sprechen. Wie wir, die Juden, auf die Vorgänge reagieren, bedarf heute keiner Erörterung. Wie von jüdischer Seite die Lage angesehen wird, wie der Jischuw sie betrachtet, welches die Forderungen der Zionistischen Executive sind, das ist Ihnen aus der Presse hinreichend bekannt. Sie wissen vor allem, daß der Jischuw keineswegs die Berechtigung der Alternative: ruhige Energie oder übermäßige Gewaltanwendung anerkennt, sondern der Meinung ist, daß auch mit ruhiger Energie sich noch viele Maßnahmen durchführen ließen, die die Regierung nicht ergreift, oder zu denen sie sich nur sehr zögernd drängen läßt. In jedem Falle sollen Sie eines wissen, und es ist von Wert darauf hinzuweisen, weil aus begreiflichen Gründen über die Tätigkeit der Exekutive der Zionistischen Organisation in diesen Tagen öffentlich nicht in vollem Umfange berichtet werden kann. Die Exekutive hat unermüdlich und im buchstäblichen Sinne des Wortes Tag und Nacht auf der Wache gestanden, 165