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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 15

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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mußte für sie das Wichtigste sein — daß nach dem immigrationsfeindlichen Berichte der Shaw Kommission die jüdische Einwanderung nach Palästina auf zwanzig, dreißig, vierzig, — fünfzig —, ja sechzigtausend Personen im Jahre anwuchs. So hat sich bei den Arabern die Meinung von dem entscheidenden Einfluß des Zionismus auf die englische Palästinapolitik gebildet, eine Ansicht, die in allerletzter Zeit noch durch die bekannten Debatten im englischen Unterhaus und Oberhaus Unterstützung erfahren hat. So gering wir selbst unseren Einfluß auf die englische Politik einschätzen, so sehr wird er von den Arabern überschätzt und gefürchtet. Und sie glauben heute, daß bei Anwendung friedlicher Mittel, auf dem Wege politischer Verhandlungen, ihre Wünsche nach der Aufrechterhaltung des arabischen Charakters des Landes auf Erfüllung nicht rechnen können. Die englische Auffassung. Nun ein Wort über die englische Auffassung. Was würde ein Engländer sagen, mit dem man sich heute über die Lage unterhielte? Er würde etwa folgendes sagen: Wir Engländer haben Erfahrung und Uebung in der* Behandlung kolonialer Unruhen und Aufstände. Wir wissen, wie man solcher Situationen mit ruhiger Energie, ohne übermäßige Gewaltanwendung, Herr wird. Ueberscharfes Vorgehen kann zu einem Aufstande in großen Dimensionen führen und über die Grenzen des Landes hinaus wirken. Individuelle Terrorakte sind unvermeidbar und lassen sich bei bester Ueberwachung nicht verhindern, ebensowenig wie plötzliche Massenausbrüche mit blutigen Resultaten. 1920 und 1921 war das Land voll von Militär und doch fielen beim ersten Ausbruch zahlreiche Opfer. In einer Lage, wie der gegenwärtigen, angesichts der Gefahr eines allgemeinen Aufstandes, und solange nicht genügend Truppen im Lande sind, müssen die militärischen und Polizeikräfte konzentriert bleiben und können nicht in zahllose Patrouillen und Wachtposten aufgelöst werden. (Dasselbe Argument also, mit dem vor der Shaw- Kommission seinerzeit der britische Oberkommandierende in Palästina die Preisgabe von Safed gerechtfertigt hat). Im übrigen: Der Streik wird allmählich in sich selbst zusammenbrechen, und je weniger der Zusammenbruch durch gewaltsames Eingreifen hervorgerufen wird, um so besser für die politische Gesamtsituation. Ihr empfehlt uns die Anwendung türkischer Methoden? Aber wir Engländer sind keine Türken, und es liegt uns nicht, auf Unschuldige zu schießen, um Schuldige zu treffen oder abzuschrecken. Ihr haltet uns das Beispiel des türkischen Gendarmen vor, der „singlehanded" ganze arabische Dörfer bestraft und im Schach gehalten hat? Aber die Türken waren in Palästina trotz aller Glaubensbande so verhaßt, daß die Araber bei Ausbruch des Weltkrieges nichts eiligeres zu tun hatten, als gegen die Türken Partei zu ergreifen. Wir Engländer wissen, daß es auf die Dauer nicht immer möglich ist, koloniale Positionen zu halten. Aber wenn solche Positionen unhaltbar werden, so erfordert es unser englisches Interesse, daß die Räumung unter Aufrechterhaltung wirtschaftlicher und kultureller Beziehungen erfolgt und dazu müssen gewisse menschliche Voraussetzungen gegeben sein. Ueberhaupt, wir können die palästinensische Frage nicht losgelöst von größeren politischen Zusammenhängen betrachten. Auch Ihr solltet aber nicht an den Augenblick, sondern an die Zukunft denken und euch fragen, ob in großen und zukünftigen Zusammenhängen betrachtet, eine „scharfe" Politik Euerem Interesse dienen würde. Hat etwa das scharfe Vorgehen vom Jahre 1933 die arabische Bewegung entmutigt? Kann man nicht eher vielleicht annehmen, daß die Erbitterung über die Blutopfer vom Jahre 161

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