Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der inneren Entwicklung entspricht eine Veränderung der Kampfmethode. Auf der einen Seite — darauf ist in der Presse bereits mehr als einmal hingewiesen worden — ist die jüdische Position seit dem Jahre 1921, als die jüdische Bevölkerung Palästinas die Zahl Hunderttausend noch nicht erreicht hatte, stärker geworden, und es fehlen deshalb die offenen Frontalangriffe auf jüdische Positionen, wie sie in den Jahren 1921 und 1929 erfolgten. Dafür ist man jetzt zu der Methode des individuellen Terrors und nächtlicher Ueberfälle übergegangen. Man brauchte hierin noch keinen Beweis für eine innere Kräftigung der arabischen Nationalbewegung zu sehen, wenn es sich hierbei lediglich um vereinzelte Aktionen handeln würde. Ich habe aber den Eindruck und möchte dieser Vermutung hier Ausdruck geben, daß dieser individuelle Terror organisiert ist und von einer terroristischen Geheim-Organisation geleitet wird, einer Organisation mit einer zentralen Leitung, die wahrscheinlich nicht identisch ist mit jenem obersten arabischen Kommitee, das nach außen hin die politische Führung der jetzigen Streikbewegung übernommen hat, einem Zentrum, das jünger und, wie gesagt, von dem repräsentativen politischen Zentrum personell geschieden ist. Es gehört zu den Besonderheiten der gegenwärtigen Lage, daß es bisher, wie es scheint, nicht möglich gewesen ist, dieser zentralen Leitung auf die Spur zu kommen, wie es ja überhaupt schwer ist, schwer für jede und selbst die loyalste Polizei, in einer Oeffentlichkeit Erfolge zu erzielen, die mit der Polizei nicht zusammenarbeitet, sondern sie auf Schritt und Tritt behindert. Verbrechen und Geheimorganisationen werden schließlich überall in der Welt nicht von der Polizei aufgeklärt, sondern von Zeugen, die der Polizei Informationen liefern. Bei genereller Zeugnisverweigerung oder Zeugnisfälschung ist es für Behörden schwer, die Fäden einer terroristischen Geheimorganisation aufzufinden. Kein Zweifel also, daß die Lage, in der wir uns befinden, schwierig ist. Um isie ganz würdigen zu können, müssen wir zwei Fragen beantworten: Erstens, wie sehen die Araber die Lage, und zweitens, wie wird sie von den Engländern beurteilt. Der arabische Standpunkt« Zunächst ein Wort über den arabischen Standpunkt. Wenn ich von dem arabischen Standpunkt rede, so denke ich dabei nicht an die große Menge der Araber, die im Grunde Ruhe und Frieden wollen, denen ihre nächsten Geschäfts- und Familieninteressen über alles gehen, sondern an die führenden Kreise, die die heutige arabische Aktion offen oder geheim leiten und die Masse ebenso beherrschen, wie schließlich jede nationale Bewegung von einer entschlossenen Minderheit dirigiert wird. Man tut gut, ich sagte es schon, die Motive dieser arabischen Führung nicht zu bagatellisieren. Man soll ruhig annehmen, daß diese Araber ein Ziel haben, das Ziel nämlich, aus Palästina einen arabischen Staat zu machen oder, wie sie selbst es ausdrücken würden, den arabischen Charakter Palästinas zu be* wahren. Palästnia, so denkt der arabische Radikale, soll iso arabisch sein, wie England englisch. Und was ist es, was dieser arabische Patriot in den letzten Jahren erlebt hat? Er glaubt im wesentlichen eines erfahren zu haben, nämlich, daß die Zionisten aus politischen Niederlagen immer wieder als Sieger hervorgehen.!— Die Engländer haben eine besondere Methode, Unruhen abzuschließen. Angreifer und Angegriffene sind Parteien im Streit. Man darf sich daher auf 159