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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 12

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Wenn es je eine Zeit gab, die denen scheinbar Recht gab, welche glaubten, daß das Problem der arabisch-jüdischen Beziehungen irgendeine Lösung von selbst finden werde, so waren es die folgenden Jahre relativer Ruhe bis zum Jahre 1929. In der Tat mußte man im Jahre 1929, um eine große Bewegung im arabischen Volke zu erzeugen, die Parole von dem Angriff auf die heiligen Stätten ausgeben. Es scheint, als ob eine rein politische Losung damals nicht verfangen hätte. Seit dem Jahre 1929 aber hat die Konsolidierung der arabischen nationalistischen Bewegung gewaltige Fortschritte gemacnt. Wenn wir etwas aus den Ereignissen dieser Tage zu lernen haben, so ist es dies, daß wir zum mindesten jetzt einem organisierten politischen Willen auf arabischer Seite gegenüberstehen, einer politischen Organisation mit einer geschlossenen Führung, mit Funktionären, mit Presse und mit einem klaren politischen Programm, das in den Schlagworten: „Gegen jüdische Einwanderung und gegen jüdische Bodenkäufe" seine prägnante Formülierung findet. Wenn die arabische Bewegung in dieser ganzen Zeitspanne seit 1929 Fortschritte gemacht hat, so hat man heute allen Grund, anzunehmen, daß in den letzten drei Jahren, seit dem schweren Zusammenstoße zwischen der Polizei und arabischen Demonstranten von 1933, bei denen eine erhebliche Anzahl von Arabern getötet und verwundet wurden, die Entwicklung eine besonders rapide gewesen ist. Der Einfluß der jüngeren, radikaleren Elemente ist stärker geworden. Es gibt heute unter den städtischen Arabern eine sehr erhebliche Anzahl von Gebildeten und Halbgebildeten, die die Gedankengänge einer primitiven nationalistischen Bewegung, ihre Ideologie und ihr Vokabularium in sich aufgenommen haben. Es ist eben nicht sehr schwer, die Stufen eines gewissen, primitiv egoistischen Nationalismus, europäischen Vorbildes zu erklimmen. Man täuscht sich über die Situation, wenn man glaubt, daß die Araber Palästinas diese Stufe nicht erreicht haben. Auf dieser Stufe zu stehen, bedeutet nicht nur, daß man imstande ist, seinen Gegner zu hassen, sondern auch, daß man fähig ist, für sein Volk zu leiden uncT Opfer zu bringen. Man hat heute keinen Grund mehr, zu bezweifeln, daß arabische Nationalisten bereit sind, Opfer zu bringen und für eine Idee zu fallen. Wir — ich meine damit einen Kreis deutscher Zionisten, in dem ich seit langen Jahren stehe — haben niemals denen geglaubt, die die Bedeutung der Vorgänge vom Jahre 1921 und 1929 und noch mehr die vom Jahre 1933 damit zu bagatellisieren suchten, daß sie das Vorhandensein einer arabischen Nationalbewegung leugneten und etwa, wie es insbesondere im Jahre 1929 geschah, sich selbst über die Schwierigkeit der Lage dadurch zu täuschen suchten, daß sie auf der anderen Seite im wesentlichen Räuber sehen wollten, denen es auf einen Angriff auf jüdisches Eigentum ankam. Heute dürften alle erkannt haben, daß wir einer nationalen Kampfaktion gegenüberstehen. Ich habe wenig Zweifel daran, daß die vereinzelten Terrorakte der letzten Monate vor dem Ausbruch der Unruhen bereits politischen Charakter trugen. Die Sonntagsunruhen in Jaffa mögen mehr oder minder spontan und zufällig entstanden sein. Jedenfalls hat die arabische Bewegung sich ihrer bemächtigt und dem weiteren Verlauf der Unruhen Ideen und Ziele einer nationalen Befreiungsaktion aufgedrückt. Man kann die Dinge auch so ausdrücken, daß die syrische Freiheitsbewegung auf Palästina übergegriffen hat. Weitere Ausblicke in internationale Zusammenhänge scheinen mir nur geeignet, die Aufmerksamkeit von dem entscheidenden Punkte, nämlich der inneren Erstarkung der arabischen Bewegung in Palästina abzulenken. Ausländisches Geld mag eine Rolle spielen, aber niemand setzt sein Leben ausländischer Interessen wegen auf das Spiel. 158

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