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Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 11

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Zur politischen Lage in Palästina*) Von Bbr, Felix Rosenblüth, TeU&viv. Wir geben nachstehend auf Grund schriftlicher Notizen den wesentlichen Inhalt des Vortrages wieder, den Bbr. Felix Rosenblüth am 20. Mai 1936 in einer Mitgliederversammlung der H.O.G., Tel-Aviv, gehalten hat. Der Vortragende knüpfte an Worte des Gedenkens für Nach'um Sokolow an und führte etwa folgendes aus: Als ich gestern in Reden Sokolows blätterte, fiel mein Blick auf seine Eröffnungsrede beim 12. Zionisten-Kongreß in Karlsbad, im Jahre 1921, Sokolow sprach von der Notwendigkeit eines guten Einvernehmens zwischen Juden und Arabern und sagte unter Hinweis auf die Unruhen, die wenige Monate vor dem Kongreß in Palästina stattgefunden hatten: „In dieser Politik der Freundschaft und der Zusammenarbeit werden wir uns nicht durch die meuchelmörderischen Angriffe auf die jüdische Bevölkerung Jaffas und auf die jüdischen Kolonien beirren lassen . . . Wenn dieser oder jener Araber in gehässiger Weise unsere ehrlichen Bestrebungen angreift, so sind dies Augenblicksstimmungen, die in der Politik nicht zu ernst genommen werden dürfen.. Es ist vielmehr zu hoffen, daß sie von einer so falschen Auffassung zurückkommen, und an Stelle des undurchführbaren Bestrebens, die Balfour- Deklaration aufzuheben, den Wunsch stellen werden, ihre Interessen möglichst in Einklang zu bringen mit denen des jüdischen Volkes." Diese Worte des verstorbenen Führens der zionistischen Bewegung legen nicht bloß Zeugnis für den Optimismus des Redners, sondern auch für den Optimismus, mit dem die offizielle zionistische Politik von jeher geglaubt hat, daß das Problem der arabisch-jüdischen Beziehungen in Palästina irgendwie und irgendwann seine Lösung finden werde. Wir haben heute mehr als je Veranlassung, uns die Frage vorzulegen, wo wir jetzt, 15 Jahre nach dem Kongreß vom Jahre 1921, stehen, und ich werde am Schlüsse meiner Ausführungen vielleicht noch einmal an diese Worte Sokolows erinnern müssen. Wir Zionisten haben uns niemals die Schwierigkeiten verhehlt, mit denen der Aufbau Erez Israels verknüpft ist. Wir haben sie auch vor anderen nicht verborgen, und wenn wir in der Propaganda davon sprachen, daß der Aufbau schwere Opfer, und Opfer auch an Blut erforderte, so waren diese Worte in ihrem vollen Sinne zu verstehen. Es hat in Palästnia von jeher Zusammenstöße mit unseren arabischen Nachbarn gegeben. In den ersten Zeiten der Kolonisation, in den Zeiten der ersten und zweiten Alijah, in den Zeiten der Schomrim, gab es Konflikte mit arabischen Nachbarn und Abwehr räuberischer Ueberfäile. Einen politischen Charakter hatten diese Auseinandersetzungen noch nicht. Aber als nach dem Weltkriege und durch die Balfour-Deklaration die politische Zukunft Palästinas zur Entscheidung gestellt wurde, gewannen die Angriffe auf unsere Positionen politischen Charakter, und es war von jeher verfehlt, sich über diesen Sinn und diese Bedeutung der Kämpfe zu täuschen. Es liegen jetzt die blutigen Ereignisse von 1920, 1921, 1929, 1933 hinter uns, und wir stehen mitten in Unruhen, von denen wir nicht wissen, wann sie ihr Ende finden werden. In allen diesen Angriffen kam der politische Widerstand der Araber gegen den Zionismus zum Ausdruck. So war es 1920 bei den Unruhen in Jerusalem, so war es 1921, als Ueberfäile auf Juden in Jaffa und Angriffe auf judäische Kolonien erfolgten. Man stand damals vor der Bestätigung des Mandats, und man hoffte auf arabischer Seite, durch die Erzeugung von Unruhen auf die definitive Gestaltung der Palästinapolitik Einfluß zu gewinnen. *) Erschienen in dem Sammelheft „Unruhen in Palästina", herausgegeben von der Hitachduth Olej Germania. 157

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