Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Standpunkt aus ist es wichtiger für uns, arabisch-palästinensische Produkte zu kaufen, als die Lücken jüdischer Produktion ausschließlich durch ausländischen Import zu stopfen. Der Verhetzung der arabischen Jugend entgegenzuarbeiten, gibt es Mittel, die wir neben einer gutgeleiteten Presse vor allem auf dem Gebiete des Sports, des Films und des Radios sehen, Auf diesen Gebieten ist bisher so gut wie nichts geschehen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß in unseren Reihen1 Menschen sind, die von diesen Dingen etwas verstehen und willens sind, die Initiative zu ergreifen. Auch Freiplätze und Stipendien der Universität für arabische Studenten und vor allem das jüdische Gesundheitswesen können in den Dienst dieser Kooperation gestellt werden. Auf , dem Gebiete der Schiffahrt und der Hochseefischerei eröffnen sich weitere Aussichten für jüdisch-arabische Zusammenarbeit. Je enger die Verpflichtungen jüdisch-arabischer Interessen in Palästina sein werden, desto unmöglicher werden Sabotageakte und Zerstörungsversuche werden. Es ist klar, daß die Schwierigkeiten große sind. An Schwierigkeiten sind wir in Palästina gewöhnt, seit wir begonnen haben, dort zu arbeiten. Sie können keine Rechtfertigung dafür sein, daß wir nichts tun. Handelt es sich in Erez Israel um den Kampf für unsere Zukunft und um die Geburtswehen einer neuen Welt, so befinden wir uns in Deutschland in einem Prozeß des Abbaues und der Rettung jüdischer Energien, geistiger und materieller Kräfte der Juden zum Zwecke der Einordnung und Ueberführung in das werdende jüdische Gemeinwesen in Erez Israel. Es ist hier nicht der Platz, auf jüdische Wanderungsfragen einzugehen. Die Auswanderung in andere Länder als Palästina ist in der letzten Zeit Gegenstand einer Ideologie geworden, die den Stempel des Gekünstelten auf ihrer Stirn trägt. Wir wissen, daß eine Diaspora in Brasilien oder Südafrika das Schicksal der Galuth ebenso mit sich herumschleppen wird wie anderswo. Neues und Fruchtbares für das Judentum können wir aus diesen und anderen Ländern nicht erwarten. Rettung materieller Existenz ist ebenso notwendig wie Philantropie und muß versucht werden. Sie auszuspielen gegen das, was in Palästina geschieht, beruht auf Unwissenheit, Böswilligkeit oder dem Bestreben von Büros, Funktionären oder Organisationen, ihre Existenzberechtigung nachzuweisen. Die „I d e o 1 o g i e", die sich um die Auswanderung nach Uebersee bildet, ist nichts anderes als Antizionismus. Früher bekämpfte man den Palästinaaufbau schlechthin. Heute, da man sich durch eine solche Haltung aus der jüdischen Gemeinschaft ausschließen würde, bejaht man Palästina und kämpft gegen den politischen Zionismus, obwohl jedem Einsichtigen klar ist, daß diese beiden eine Einheit darstellen. Große Teile der Juden in Deutschland — fast ausschließlich der älteren Generation — haben nicht umlernen können. Wahrscheinlich haben wir die Einflüsse der Assimilationsepoche in ihrem ganzen Umfang, der Zerstörung ursprünglichen jüdischen Gefühls und nationalen Lebenswillens unterschätzt. Noch heute werden die meisten jüdischen Gemeinden Deutschlands von einer Generation geführt, deren Schicksal ist, daß sie zu Notabein wurde. Man verwaltet, aber man hat nicht die Kraft zu führen. Aus den Religionsgemeinden werden not^ gedrugen Volksgemeinden, geführt von Männern, die auch heute noch diese 155