Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2827066-3186705-3186709--1276-3187346
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

samt der Erhöhung ihres Lebensstandards zu verzichten bereit sind, wenn wir nur auf unsere Arbeit in Palästina verzichten. Gewiß ist diese Haltung objektiv unberechtigt. Mit der Ratio allein kann man aber nationalen Bewegungen nicht gerecht werden. Es ist heute Allgemeingut aller zionistischen Gruppen geworden, daß zunächst und vordringlichst der Jischuw vergrößert werden muß. Erst wenn wir so stark sein werden, daß jeder Widerstand der Araber gegen unser Werk sinnlos wird, werden sie sich fügen müssen. Die Voraussetzung jeder wirklichen Verständigung also ist: Einwanderung, Bodenkauf und Siedlung von und durch Jude n. Es ist müßig, heute zu diskutieren, ob wir die Majorität im Lande haben wollen. Wir haben keine Zeit, hierüber nachzudenken, da wir mit allen Kräften und Mitteln bestrebt sein müssen, neue Menschen ins Land zu bringen, Boden zu kaufen und neue Siedlungen zu schaffen. In jenem Zeitpunkt, da wir gestützt auf eine Größe des Jischuws, die jeden Angriff aussichtslos erscheinen läßt, mit den Arabern zu einem Pakt kommen werden, wird die echte Verständigung beginnen können, Um sie vorzubereiten, müssen wir unsere Jugend im Geiste der Versöhnung und des Verständnisses erziehen. Hier liegt eine große Aufgabe bei den Bünden, Schulen, Sportorganisationen *und bei der Arbeiterschaft. In klarer Erkenntnis dieser Verhältnisse sind wir verpflichtet, für die Jahre des Uebergangs politische Mittel zu ergreifen, die diese Verständigung vorbereiten. Die zionistische Arbeit hat sehr zum Schaden des Aufbauwerks die Länder des Nahen Ostens vernachlässigt. Die Exekutive müßte eine Abteilung schaffen, die Syrien, Transjordanien, Saud- Arabien, Yemen, Aegypten, Marokko, Tripolis und Algerien betreut. In diesen Ländern müßten gesandtschaftsähnliche Abteilungen der Jewish Agency errichtet werden, die neben ihren politischen Funktionen handeiskammerähnliche Aufgaben hätten. Die Notwendigkeit einer großen arabischen Zeitung der Agency nicht nur für Palästina, sondern auch für diese Länder, ist schon oft behandelt worden. Sie in die Tat umzusetzen, ist eine der dringendsten Aufgaben dieser Abteilung. Darüber hinaus müßte ein arabisches Nachrichtenbüro der Exekutive die Presse dieser Länder mit Aufsätzen und Meldungen versorgen. Korrespondenten sind in diesen Ländern zu unterhalten. Da es, sich bei den meisten dieser arabischen Länder um Staaten handelt, deren Entwicklung zum modernen Gemeinwesen erst begonnen hat, könnte auf dem Wege des Warenaustausches mit Palästina, der Interessierung jüdische^ Kapitals bei industriellen Aufbauarbeiten in diesen Staaten und durch wirtschaftliche Kooperationen mannigfacher Art manches zur Verhütung eines feindlichen Ringens um das jüdische Palästina geschehen. Wenn wir nicht zuvorkommen, wird die Gefahr immer größer, daß trotz der vorhandenen Gegensätze die palästinensischen Araber ihre Front durch ein geeintes antijüdisches Hinterland um Palästina herum und im Mittelmeerbecken verstärken. Auch in Palästina selbst sind die Möglichkeiten wirtschaftlicher Kooperation mit dem arabischen Kapital groß. Die innere Gefahr für unser nationales Werk wäre bei einer Industrie, an der arabisches Kapital beteiligt ist, viel kleiner, als sie es bei einer Pßanzungswirtschaft, die sich auf arabische Arbeit stützt, ist. Jüdischarabische Banken müssen geschaffen werden. Auch die Tozereth- Haarez-Bewegung bietet große Möglichkeiten zu einer jüdischarabischen Kooperation in Industrie und Landwirtschaft. Vom nationalen 154

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.