Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1936-07-01 · Heft 6-7 (Juli 1936) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 6-7 (Juli 1936)
Date
1936-07-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2827066-3186705-3186709--1275-3187345
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

unsere Schwäche allzu deutlich manifestierte. Beginnt man einen Handel mit Minimalforderungen, so darf man sich nicht wundern, daß der Partner immer wieder einen noch billigeren Preis herauszuschlagen versucht. Auch bei vorsichtigster Beurteilung muß man heute zugeben, daß die Politik^ Herbert Samuels, die den Anschauungen dieser Gruppe am meisten entsprach,^ falsch und schädlich war. (Anstellung des Mufti, Vergebung der Beisan-Böden^ usw.). Die jetzigen Unruhen in Palästina sind nicht zuletzt eine Frucht der falschen Politik des ersten High-Commissioners, die seine Nachfolger bis Wauchope in der großen Linie fortsetzten. Eine zweite Erscheinungsform der Verständigunsbereitschaft mit den Arabern zeigte sich in dem Willen bestimmter Arbeiterkreise, gemeinsame Organisationen mit den arabischen Arbeitern zu schaffen in der Hoffnung, daß wirtschaftliche und Klasseninteressen geeignet sein würden, nationale Gegensätze zu überbrücken. Auch diese Versuche sind fehlgeschlagen. Sie mußten fehlschlagen, da soziale Entwicklungen erst dann einzusetzen pflegen, wenn die nationalen Entwicklungsprozesse zu einem gewissen Abschluß gekommen sind. Dies ist bei den Arabern nicht der Fall, die sich mitten im Prozeß nationaler Konsolidierung befinden. Die Beschäftigung arabischer Arbeiter durch jüdische Kolonisten sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt, da es sich hierbei zweifellos nicht um eine politische Tendenz handelt, sondern um eine solche, die von rein wirtschaftlichen Erwägungen des Einzelnen bestimmt ist. Wenn man noch gewisse Höflichkeitsbesuche des Exponenten der Jewish Agency bei den Häuptern arabischer Nachbarstaaten erwähnt, so ist die Liste der Aktionen auf dem Gebiete der sichtbaren Araberpolitik abgeschlossen. Jeder verantwortungsbewußte Zionist hat das Gefühl, daß es so nicht bleiben kann. Wenn der arabische Aufstand, dessen Ende bei Niederschreiben dieser Zeilen noch ungewiß ist, einen Sinn für uns haben soll, so müssen wir versuchen, zu neuen Wegen zu gelangen. Die Araber wenden sich gegen das zionistische Aufbauwerk an sich. Es kann zwar für das jüdische Volk wichtig sein, in unserer Presse und Propaganda sich immer wieder vor Augen führen zu lassen, welch großer Nutzen den Arabern aus unserer Arbeit entstanden ist. Wir müssen uns aber klar darüber sein, daß wir im Grunde einen Monolog führen. Man erinnere sich an die Zeiten, in denen jüdische Organisationen versuchten, den Antisemitismus durch Apologetik zu bekämpfen. Man wies auf die Großen Israels hin, zeigte die Bedeutung der Juden in Wissenschaft, Kunst und auf anderen Gebieten, man zählte die jüdischen Toten des Weltkrieges, man sprach von der Vaterlandsliebe der Juden — nichtjüdische Freunde verglichen uns mit der Rolle der Hefe im Kulturkuchen Europas —, ein Monolog, von dem die anderen, für die diese Argumente bestimmt waren, kaum etwas hörten. Man bekämpfte uns als Juden schlechthin, ohne zu untersuchen, ob unsere Argumente richtig oder falsch waren. Man wollte uns nicht mit unserem Nutzen und mit unserem Schaden. In einer ähnlichen Situation befinden wir uns gegenüber der arabischen Welt in Palästina, nur daß wir die Rolle jener Apologetiker übernommen haben. Wir weisen auf den gewaltigen Nutzen hin, den die palästinensischen Araber durch unser Aufbauwerk erfahren haben. Bekämpfung der Malaria, hygienische Errungenschaften, Elektrizität, neue Bewässerungsmethoden, Industrialisierung, bessere Löhne, und was immer im Gefolge unserer Arbeit den Arabern zugute kam, spielen in unserer Argumentation eine große Rolle. Nur vergessen wir, daß die Araber gegen den zionistischen Aufbau schlechthin sind, und daß sie gern auf die Errungenschaften einer zivilisierten Welt 153

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.