Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sternen greifen? Mußte er nicht von der inbrünstigen Ueberzeugung durchdrungen sein, daß die Vorsehung ihn zu Großem berief? Es war eine Zeit großer Hoffnungen, denen nichts unerfüllbar erschien, messianischer Trunkenheit, die an JesVjas Weissagung von dem »Reis aus dem Stamme Jisai« (Jes. 11,1) anknüpfte. Am deutlichsten tritt der Umschwung der Stimmung an zwei Propheten dieser Zeit hervor: in den Knabenjahren Josias (vor 632) eifert Sephanja, selbst ein Sproß Hizkias, noch gegen die Assyrertümelei der vornehmen; wenige Jahre später begrüßt ein junger, noch ganz unbekannter Prophet Jeremia die Rückkehr Ephraims als Gnade Gottes (Jer3,12, 22—24; 4,1). Aber er* sieht — ein wirklicher Seher\ — diese Rückkehr nicht nur als politisches Faktum, sondern als kulturelle Aufgabe, und seine Worte klingen wie ein Programm der kommenden Taten Josias. König und Prophet, die beiden Großen dieser Zeit, die sich nie kennengelernt haben, begegnen sich hier in den Höhen des Gedankens. Kaum daß Josia an die große Aufgabe ging, die eine Neuorganisation seines Reiches und die Aneinanderpassung Judas und Israels ihm stellten, starb Assurbanipal im Jahre 626, und der Zerfall des assyrischen Weltreiches wurde ganz offenbar. Im gleichen Jahre brächen die Skythen, bisher Verbündete Assurs, von Kleinasien her nach Süden vor, zogen raubend und mordend an der Küste Syriens und Palästinas entlang, kehrten an der Grenze Aegyptens um und verschwanden so schnell wie sie aufgetaucht waren. Das im Bergland liegende Reich Josias hat der Skythenzug kaum berührt — aber den Jüngling Jeremia hat er zum Propheten erweckt. Im gleichen Jahre (626) riß sich Babylon von der assyrischen Herrschaft los. Wieder, wie vor 100 Jahren beim Aufstand des Merodach-baladan, war es ein Chaldäer, der sich zum König von Babel machte, Nabopolassar (Nabuapalussur). Mit dem Aufstieg dieses Todfeindes Assurs vollzog sich eine völlige Umstellung der politischen Verhältnisse Vorderasiens, die auch die politische Linie Josias entscheidend veränderte. Zionistische Politik — politischer Zionismus Von Bbr. Hans Friedenthal, Berlin. Der arabische Aufstand hat überaus deutlich das Problem einer Verständigung mit den Arabern in Palästina und darüber hinaus mit der arabischen Welt allen denen vor Augen geführt, die geglaubt haben, daß sich diese Frage ,,von selbst" lösen würde. Die Behandlung dieses Problems ist über theoretische Erwägungen niemals hinausgekommen. Zwar hat es im Jischuw immer Männer gegeben (Kalwaryski, Smilansky u. a.), die sich um diese Frage bemühten, jedoch hat die verantwortliche Führung der zionistischen Weltorganisation niemals deutlich erkennbare Anstrengungen gemacht, um diese Frage, die eine der brennendsten des Aufbaues ist, einer Lösung näherzubringen. Zum Arsenaf der zionistischen Theorie gehört zwar stets die Verständigung mit den Arabern. Auf der einen Seite gab es im Zionismus Gruppen, deren Verständigungswillen sich vor allem darin zeigte, daß man stets zu Minimalforderungen und zum Verzicht bereit war, daß man, wie auch immer die Araber sich zu dem zionistischen Aufbauwerk verhielten, ein Entgegenkommen zeigte, das im höchsten Maße durch die Tatsache unpolitisch war, daß im dauernden Abstreichen unserer Forderungen sich 152