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Der jüdische Wille · 1936-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1936) · page 50

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 50)
Language
German
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sehen in Damaskus lebend, in der Erkenntnis, daß der wahre Knecht Gottes, der freiwillig das Leid, die Verachtung der Menschen, ja den Tod des Sünders auf sich nimmt, so die Welt der Völker erlösen wird. S e l m a L a g e r 1 ö f sagt in ihrem warm anerkennenden, als Vorwort eingesetzten Brief: „Ich wage nicht zu beurteilen, ob das Bild, das Sie geschaffen haben, das einzig mögliche ist/1 Bei aller hier gebotenen Zurückhaltung: wir wissen nicht, wer und wie der Deutero-Jesaja und der geheimnisumwobene Gottesknecht gewessen ist. Aber das eine glauben wir zu wissen: so wie ihn Meißinger gestaltet hat, ist er sicherlich nicht gewesen. Nur selten spüren wir bei Meißinger einen echten Lebenshauch des großen Künders; und auch nicht * ein Zipfelchen von dem Schleier des atemraubenden Geheimnisses, das heute wie immer um Leben und Sterben des rätselhaften Gottesknechtes schwebt, scheint uns gelüftet. Da sind uns immer noch die Kapitel 52, 53, 42, 49 und 50 Jesaja ein hellerer Wegweiser. Was bleibt, ist trotz allem noch ein von tiefem Gottsuchen erfülltes, dabei buntphantastisch spannendes Romanwerk. Ein Werk, das in Reinheit und heißer Mühe um die „Heilung der Seele" ein — freilich nicht immer lebendiges und überzeugendes — Bild der gesamten Geistes- und Seelenwelt des 6, vorchristlichen Jahrhunderts gibt. Ein eigenwilliges und eigenartiges, auch für jüdische und zionistische Leser lohnendes Buch. Conrad Kaiser. * „Predigten an das Judentum von heute" <Bü<fcer der Erneuerung, herausgegeben von Willy Leven, Bd. I, Joachim Goldstein- Verlag, Berlin 1935.) Es ist oft in unserer Zeit darüber gesprochen und wohl auch geklagt worden, daß die Stimme der legitimen Vertreter des Judentums im Umbruch unserer Tage so wenig hörbar geworden ist. Die evangelische Kirche steht inmitten einer bedeutsamen und bis an ihre tiefsten theologischen Wurzeln greifenden Auseinandersetzung. Die Kirchenführer der Römischen Kirche haben wiederholt ihre Stimme erhoben, wenn es um Grundfragen des kirchlichen Seins ging. Wir Juden, die in dieser Zeit besonders bereit waren, zu hören und zu tun, haben umsonst gelauscht. Zu uns sprach niemand. Was der vorliegende Predigtband, der sich an das Judentum von heute wenden will, bietet, ist von sehr verschiedenem Wert. Grundsätzlich aber läßt sich sagen, daß diese Sammlung sich nicht von denjenigen Predigtsammlungen unterscheidet, 4 die auch in früherer Zeit den Weg zu einem jüdisch interesiserten Publikum gefunden haben; eine zu neuen Wegen und Zielen führende Stimme wird fast nirgends laut. Dabei soll dem Herausgeber Gerechtigkeit widerfahren. Es ist sicherlich außerordentlich schwer, das geeignete Material und vor allen Dingen die geeignetsten Menschen zur Mitarbeit heranzuziehen. Trotzdem durfte manches nicht Raum finden, was deutlich macht, daß der Autor sich nicht an das Judentum von heute, sondern an eine Gesinnung von vorgestern wendet. Was soll man beispielsweise sagen, wenn ein Rabbiner im Jahre 1935 eine jüdische Schule mit einer Betrachtung weiht, die erklären und verteidigen soll, „daß wir, der Vorstand sowohl als auch die zahlreichen Familienväter unserer Gemeinde nicht eigenem Antrieb, nicht freiem Willen folgend, sondern der Not gehorchend, dem Zwang der Zeitumstände und Verhältnisse uns beugend, eine eigene jüdische Schule beschlossen und errichtet haben", oder wenn ein Anderer für den 140

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