Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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solches nicht getan, weil es keinen jüdischen Vorgang dafür gab, Juda tut es, indem er eine griechische Gepflogenheit, wichtige geschichtliche Ereignisse in Erinnerungstagen festzuhalten, nachahmt, ihm aber einen jüdischen Inhalt gibt. Er nennt auch den achtarmigen Leuchter eine Nachahmung heidnischer Sitte. Die griechischen Feste, die Juda Vorbilder waren, feiere niemand mehr, wohl aber brenne von jedem 25. Kislev ab die Menora in der ganzen Welt, wo immer Juden wohnen. Die Größe des makkabäischen Judentums besteht nach ihm in seiner Weltoffenheit und seiner treuen Bewahrung seiner Eigenständigkeit. Er sieht in dieser Haltung, die hier an einem Beispiel gezeigt wurde, in seinem Buch aber mehrfach erhärtet wird, die geschichtliche Aufgabe der Makkabäer, glaubt, daß nur durch diese Konzeption der hellenistischen Assimilation die Dauer des Judentums an sich gewährleistet worden sei. Sonst wäre das Judentum ebenso zugrunde gegangen wie manches andere Volk, das sich dem Hellenismus verschlossen hätte. „. . . (man) machte sich hellenistische Vorstellungen zu eigen, nachdem man sie zuerst entgiftet hatte. Das Rezept war ein sehr einfaches: man fügte das Neue in das System der Tora ein und verwertete das Neue, um dem Gott der Väter besser als bisher zu dienen, und nicht dazu, um sich ihm geschickt zu entwinden." (Im Gegensatz zum Hellenismus des Menelaos!) In diese Grundthese, die, wie immer man zu ihr stehen mag, lebendige Vorstellung in die komplizierte Lage der damaligen Zeit bringt, werden die bekannten geschichtlichen Tatsachen eingebaut und gedeutet. Von hier her empfängt naturgemäß auch der geschichtliche Ort der Pharisäer eine neue, beachtenswerte Beleuchtung. Man darf auf das angekündigte Buch „Der Gott der Makkabäer", noch mehr aber auf die Belege zu den in dem angezeigten Buche behaupteten Thesen, gespannt sein. Eine kritische Stellungnahme zu den Thesen und eine Konfrontierung mit den bisherigen Darstellungen der Makkabäerzeit muß bis zu diesem Zeitpunkt zurückgestellt werden. Alfred Philipp, W.-Elberfeld. Karl August Meissinger: „Der Abenteurer Gottes' <E. P. Thal <£) Co. Verlag, Leipzig-Wien.) Der Held des Romans ist kein Geringerer als der große Ungenannte, der nach Ansicht der Bibelwissenschaft die Kapitel Jesaia 40 ff. geschaffen hat. Meißinger, bisher vor allem durch seine Friedrich List- Biographie bekannt, kommt von der christlichen Theologie her. Sein Deutero-Jesaja schöpft aus allen anderen asiatischen Geistes- und Seelenquellen mehr als aus dem Judentum. Er bereist, um den künftigen Babelfeldzug für Kyros materiell und auch militärisch vorzubereiten und damit der Befreiung des jüdischen Volkes aus dem Exil zu dienen, einen großen Teil der Kulturwelt. Bei den Persern lernt er die Zarathustralehre, bei den Indern die Weisheit der Veden und Upanishaden kennen, bei den Griechen Kleinasiens deren Götterwelt und die eben erst zum Abschluß gelangende homerische Poesie, dazu die jonische Philosophie. Schließlich sucht er nach alldem noch im Gangeshain bei Benares den Gautama Buddha persönlich auf. Als aber Kyros Babel unterworfen hat, muß sein Wegbereiter erkennen, daß all seine Mühen vergeblich, seine Weissagungen falsch waren, und daß Kyros, oder welche Macht immer an seine Stelle treten wird, aus militärischen und geopolitischen Gründen ein wirkliches Wiedererstehen des alten Davidreiches niemals zulassen kann. Und endet dann« im stillen als Arzt, Lehrer der Jugend und geheimer Wohltäter aller Men- 139