Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn wir die Grundelemente der Erziehung in Alt-Israel in Uebereinstimmung mit denen finden, die in den benachbarten Ländern des Nil und des Euphrat befolgt wurden. Es hieße die pädagogische Erkenntnis unserer großen Gesetzgebung, wie später die unserer großen Volkserzieher, der Richter und Propheten, falsch einschätzen und hieße gleichzeitig den Durchschnittsjuden jener und jeder Zeit überschätzen, wollte man sich darüber wundern, wie diesseitig bisweilen die Motive für das sittliche Verhalten des einzelnen sich darstellen. „Damit du lange lebest in dem Lande, welches der Ewige, dein Gott, dir gibt", stellt eine ebenso reale Belohnung für das Wohl verhalten dar, wie das Volksgewissen die Treue und Gewissenhaftigkeit gegen Gott, allein um der ethischen Forderung willen, zur Maxime erhebt und in den Worten zum Ausdruck bringt: „So handelt man nicht in Israel" (S. 186, 187.) Im einzelnen verblüffen die Aehnlichkeiten, die sich nicht nur in den Gedanken finden, sondern auch die Formulierung mit ergreifen und damit das Vorhandensein gemeinschaftlicher orientalischer Kulturvorstellungen erneut bestätigen. Sie erstrecken sich auf Erziehungsmaximen, aber auch häufig auf die Pflichten gegenüber den Eltern, die Gottesfurcht und Gottesliebe. Dabei versteht es sich, daß die monotheistische Denkweise des Alten Testaments und seine sublimierte Ethik die entscheidende Höherentwicklung gegenüber den der Grundlage nach gleichen oder ähnlichen Moralvorstellungen aller orientalischen Völker darstellt. Gleiche Erziehungstechnik und selbst das gleich formulierte Gebot darf angesichts der Gesamtlebenshaltung ausnahmslos aller Nachbarvölker Israels nicht darüber hinweg täuschen, daß die Konsequenz aus solcher Erziehung, die zum wahren Menschentum führte, erst mit dem „Du sollst" des Sinai begann und nicht aus Aegypten oder dem Zweistromland stammt. Wertvoll für uns ist, was über Erziehung und Unterricht im Kulturbereich des Islam gebracht wird; steht doch unser Volk vor der Aufgabe, unter Aufrechterhaltung der Kulturwerte Europas und des Westens eine geistige Lebensmöglichkeit in Asien zu finden. Voraussetzung wird steigendes Verständnis für die fremde und doch letzten Endes aus demselben Quell biblischer Vorstellungen schöpfende Ideenwelt der Umgebung sein* Die Diskussion, die in der letzten Zeit über die geistige Zukunft unseres Volkes in Palästina geführt worden ist, wird stark vertieft werden, wenn das Verlangen nach Erkenntnis zu wirklich ernstem Studium führt. Erleichtert wird diese Aufgabe durch die Erkenntnis, die Pretzl vermittelt, wie stark der Koran in Entstehung und Entwicklung bereits seinerseits eine Vielfalt von zivilisatorischen und kulturellen Elementen jüdischer, christlicher, griechischer, iranischer, auch buddhistischer Herkunft enthält. Die Pädagogik des antiken Orients und des Islam, ihre Beziehungen zum Erziehungswesen im alten Israel sind ernstester Betrachtung wert. Das wichtige, hier angezeigte Werk bereichert nicht nur die pädagogische Wissenschaft, sondern bildet auch für uns gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zur Judentumskunde. Hans Klee. Elias Bidkermann: „Die Makkabäer" eine Darstellung ihrer Geschichte von den Anfängen bis zum Untergang des Hasmonäerhauses Bücherei des Schocken-Verlages Nr. 47, Schocken- Verlag, Berlin 1935. Wenn man in unserer Zeit so viel von der Rückkehr zum Judentum spricht, so ist das nur bedingt richtig. Eine Rückkehr, die zutiefst Umkehr zu Gott wäre, treffen wir nur selten 137