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Der jüdische Wille · 1936-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1936) · page 44

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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spezifische Farbe wollte er wiederum nicht anerkennen. Das lag nicht an der Bibel, es lag auch nicht am Juden, sondern es fehlte der geistige Schadchan, Nun gab es ja von jeher in der allgemeinen Bibelwissenschaft eine umfassende Kommentar- und Speziallfteratur; sie ist aber dem gewöhnlichen Sterblichen quantitativ und im Verständnis unzugänglich. Bei uns Juden hat die Erklärung der Bibel gewiß zu allen Zeiten geblüht, ja, man kann sagen, in einem gewissen Sinne ist alle unsere Literatur nur darum bemüht gewesen, die Bibel dem Juden nahezubringen. Aber abgesehen davon, daß die jüdische Bibelerklärung oft in Extreme abirrte (wiewohl noch unendliche Schätze der Erkenntnis auch heute aus ihr zu holen sind) — unseren Ansprüchen auf ein möglichst totales Verständnis der Bibel kann sie nicht mehr genügen. Und welcher poschute Jude hat heutzutage Zeit und Fähigkeit, die alten hebräischen Bibelkommentare zu studieren? Für die deutschen Juden hat übrigens seit 150 Jahren fast jede Generation einen zeitgemäßen Bibelkommentar gebracht, 1783 war der hebräisch geschriebene Torakommentar des Mendelssohn'sehen Kreises beendet,, eine volkstümliche Wiedergabe von traditionellen Auffassungen, wie sie das Mittelalter geschaffen hatte, mit aufklärerischem, rationalistischem und ästhetisierendem Einschlag. 1839 gab Ludwig Philippson in seiner „Israelitischen Bibel" eine allgemeine Erläuterung und verwandte bereits reichhaltiges vergleichendes Anschauungsmaterial. In den 60er Jahren erscheint Sal. Herxheimers knapper, aber gut orientierender Pentateuchkommentar mit zahlreichen ausgezeichneten Bemerkungen, allerdings namentlich zu erbaulichen Zwecken. Gleichzeitig (1867) beginnt S. R. Hirsch seinen streng orthodoxen, auf den Offenbarungsstandpunkt gegründeten Kommentar, der selbstverständlich jede kritisch-wissenschaftliche Betrachtung der Bibel nicht nur ablehnt, sondern bekämpft. Dafür schreibt in den 70er und 80er Jahren Graetz seine sehr kritischen Kommentare zu vielen biblischen Büchern — aber bezeichnender Weise nur nicht zur Tora. Die jüdische Bibelgelehrsamkeit überläßt die Tcrakritik (welch hybride Begriffskombination!) nur allzugern den Protestanten. In neuerer Zeic haben einige Gelehrte (z.B.Auerbach, Goldberg, Torczyner, H. M. Wiener, Yahuda) bibel- und sogar pentateuchwissenschaftliche Probleme von neuem angepackt, aber den Bibeltext für den Juden von heute fortlaufend erklärt haben sie nicht. Und die verschiedenen Bibelübersetzungen der letzten Jahre tragen solchem Bedürfnis gewiß nicht Rechnung. Nun hat es Benno Jacob, ehemaliger Rabbiner in Dortmund, unternommen, seine eigenen jahrzehntelangen Studien, die Arbeit eines der Bibeiforschung geweihten Lebens, in kontinuierlicher Erklärung der Tora, Satz für Satz und Kapitel für Kapitel, zusammenzufassen. In seiner Genesis (Berlin, Schocken Verlag, 1934, RM. 42,— ) bietet Jacob: 1. eine einfache, verständliche (man muß so etwas leider hervorheben) Uebersetzung des hebräischen Textes; 2. seine eigene Stellungnahme zu Text, Sinn, Zusammenhang, mit einer Fülle ganz hervorragender Beobachtungen und Kombinationen; 3. talmudische und mittelalterlich - rabbinische Erklärungen, soweit sie ihm für das Verständnis wesentlich erscheinen; 4. Heranziehung auch moderner nicht jüdischer Kommentare; 5. Ergebnisse der Archäologie, Vergleichsmaterial aus dem altorientalischen Kulturkreis; 6. Hinweise auf die aus der Bibel geflossene allgemeine Anschauungsweise und Praxis des jüdischen Lebens, 134

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