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Der jüdische Wille · 1936-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1936) · page 36

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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Es sind eine Reihe von hier nicht zu erörternden Umständen dafür maßgebend gewesen, daß seit nicht ganz zwei Jahrtausenden wenig fremder Blutzufluß von anderer Seite in dieses Volk eingeströmt ist. Der Einfluß des Chazarentums Südrußlands wird maßlos überschätzt. Diese Chazaren bilden den Grundstock der sogenannten Karäer, gewissermaßen einer Sekte des jüdischen Volkes, die sich auch religiös von ihm unterscheidet und späterhin zum Teil in der anderen Bevölkerung, nicht aber in der jüdischen aufgegangen ist. Weil aber seit fast zwei Jahrtausenden diese Gemeinschaft, von der Umgebung mehr oder minder abgesondert, durch gemeinsame Schicksale verbunden und geistig wie seelisch geeint durch eine Auffassung, die sich bereits zur Zeit des ersten Exils entwickelt hat, auch in tatsächlicher Hinsicht, soweit die wesentlichen Merkmale der Abstammung in Frage kommen, eine Einheit bildet, kann es nicht Wunder nehmen, daß sich diese Gemeinschaft selbst als Volk fühlt und vor allem von den anderen Völkern als solches aufgefaßt wird. Unsere National * Bibliothek in Jerusalem Von Bbr. Erwin Meyer. Von den Pflichten des K. J. V. für alles, was dem jüdischen Volk förderlich ist, zu sorgen, ist eine bis in unsere Tage zu kurz gekommen, die Verpflichtung nämlich, für das geistige Zentrum in Jerusalem zu sorgen, insbesondere für Universität und Bibliothek. Die Üniversität, vor 10 Jahren vielleicht in einem etwas zu frühen Stadium des Aufbaus gegründet, hat sich bewährt, steht im Lichte der jüdischen Oeffentlichkcit, hat einen Etat, um dessen Beschaffung sich beste Kräfte bemühen. Es soll nicht Aufgabe dieses Artikels sein, die Bedeutung der Universität in ein entsprechendes Licht zu stellen; heute wollen wir vielmehr der Universität in Jerusalem und dem Freundeskreis der Bibliothek neue Arbeiter zuführen. An unsere akademische Vereinigung wende ich mich in diesem Bemühen mit einer größeren Zuversicht für den Erfolg als an andere Gremien. Akademiker werden sich unter dem Eindruck der Ereignisse unserer Zeit leichter dazu bereit finden, die Bedeutung dieser Forderung für das jüdische Volk anzuerkennen und zu der eigenen zu machen. Universität und Bibliothek sind nicht voneinander zu trennen. Die Universität besteht. Sie kann den Universitäten europäischer Länder nur dann gleichwertig werden, wenn man ihr das Rüstzeug gibt, ohne das wissenschaftlich nichts geleistet werden kann. In keinem wissenschaftlichen Zweig verfügen wir über ausreichende Literatur in hebräischer Sprache. Wir sind darauf angewiesen, die geistigen Erzeugnisse der Völker in deren Sprache jüdischen Forschern zur Verfügung zu stellen. Nach dem letzten Kartelltag besprachen wir neue Aufgaben; wir fanden, daß das K. J. V. sich für die Bibliothek in Jerusalem einzusetzen habe, so einzusetzen, daß der Name K. J. V. immer dann genannt werden sollte, wenn die Namen der Förderer der Bibliothek genannt werden. Die jüdische National- und Universitätsbibliothek in dem David-Wolffsohn- Haus am Skopusberg ist aus kleinsten Anfängen hervorgegangen. Der Byalistoker Arzt Dr. Chasanowitsch hat als erster die Idee propagiert, ein „Kibbuz Gelujoth" der in der ganzen Welt zerstreuten Geistesprodukte des jüdischen Volkes in Jerusalem zu verwirklichen und hat mit unendlicher Sammlermühe die Grundlagen zur späteren Nationalbibliothek geschaffen. 126

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