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Der jüdische Wille · 1936-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1936) · page 31

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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System umsetzen konnte, ohne daß die Ehrfurcht vor der Ueberlieferung stellenweise nachließ und Alexandria ein Herd der Ketzerei und der Proselyten wurde« Es zeigt sich hier ein merkwürdiger Unterschied gegenüber dem Verhalten der Araber, die ihren unübersetzbaren Koran arabisch lesen müssen, wie auch die neueren Juden ihre hebräischen Schriften/' „Diese Werke (der Grammatiker) mußten in einer so gemischten Stadt wie Alexandrien besonders wichtig sein, wo tatsächlich — wie auch sonst in den Diadochenländern — ein makedonischer Dialekt die Oberhand gehabt haben muß und vielleicht auch der in der gelehrten Nähe der Grammatiker aufkommende jüdische Hellenismus mit seiner Nachlässigkeit und seinen orientalischen Wendungen zum Aufsehen mahnte" (Griechische Kulturgeschichte,) „Bei Anlaß des Zitates aus dem Prediger Salomonis blätterte ich wieder einmal in diesem Pessimisten und las ihn dann wieder von Anfang bis zu Ende, besann mich auch, daß ich vor etwa 53 Jahren als damaliger Theolog begonnen hatte, ihn hebräisch zu lesen; er war mir aber zu schwer und ist es stellenweise dem Gelehrten bis heute. Nun bitte ich Sie aber, statt der gutenteils irrigen Lutherschen Uebersetzung einmal etwa die von De Wette oder sonst eine richtige vorzunehmen; es ist eines der erstaunlichsten Bücher und im Grunde ziemlich gottlos. Wenn aber doch nur unseren Sozialisten etwas von der Denkweise des Predigens beizubringen wäre; denn diese sind so furchtbar gefährlich durch ihren Optimismus, durch das enge Hirn und weiten Schlund usw. Da heißt es nicht: vanitas vanitatum! — sondern der Himmel wird behängt mit lauter Baßgeigen/* (10 9 im an y preen ) „Diese Renaissancen sind zu unterscheiden von den politisch-religiösen Restaurationen, mit welchen sie stellenweise gleichwohl zusammentreffen. Wir möchten fragen, wieweit letzteres der Fall war bei der Herstellung des Judentums nach dem Exil....." „Hierbei scheiden wir völlig aus ..... die noch zu vollziehenden Restaurationen; die der Juden, welche nach zweimaligem Verlust ihres Tempels ihre Sehnsucht an einen dritten Tempel gehängt haben,..... D i e Restaurationen aber, die wir meinen, sind fast immer Wiederaufrichtungen eines vergangenen Staats- und Volkstums durch die Religion oder doch mit ihrer Hilfe, und die Hauptbeispiele sind neben der genannten Sassanidischen die der Juden unter Cyrus und Darius, ..... Was die Größe dieser Restaurationen betrifft, so liegt sie nicht im Erfolg, denn dieser ist meist geringer als die anfängliche optische Täuschung hoffen ließ, sondern in der Anstrengung, welche dazu gemacht wird, in der Kraft, etwas ersehntes Ideales, nämlich nicht die wirkliche Vergangenheit, sondern ihr verklärtes Gedächtnisbild herzustellen. Dies fällt denn freilich, da sich ringsum alles geändert hat, sehr eigentümlich aus; was übrig bleibt, ist etwa eine geschärfte alte Religion/1 (Weltgeschichtliche Betrachtungen.) VII. Sollen wir im Unterprimanerstil abschließen mit einer Betrachtung, ob Burckhardt, wenn er heute das schwere Ringen des jüdischen Volkes um seine Wiedergeburt in Palästina sehen könnte, nicht vielleicht doch die Möglichkeiten einer echten Renaissance weniger zweifelnd bejahen würde? Oder ob ihn vielleicht eine gründlichere Kenntnis der Gesamtgeschichte des 121

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