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Der jüdische Wille · 1936-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1936) · page 30

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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nen Gesamtauswahl der Briefe vorangesetzt ist, interessanterweise aber vielleicht tingerecht auf die vorangegangene Periode der Depressionen und Stockungen in J. B/s eigenem Leben zurückführt. Seite 86—87 a. a. 0.). Um so mehr mußte er jedenfalls dem Radikalen, umwälzend Erneuernden und Himmelstürmenden schon im alten Judentum abhold sein, neben dem er all das unendlich Geduldige im Leiden und Hoffen, das treue Festhalten am Vätererbe, das Erhaltende, das Ewige im Judentum nicht sah oder doch nicht genügend zu würdigen gewillt war. Und doch hat gerade der Gott des Judentums vor die Erfüllung seiner geschichtlichen Verheißungen immer wieder eine heilsame Zögerung wie keine andere je auf Erden gesetzt. VL Es kann fast ein wenig heiter stimmen, wie befangen der große und gütige Mann, entgegen seiner sonst so staunenswerten -Einfühlungsfähigkeit, dem antiken Judentum im einzelnen immer wieder gegenübertritt. „Lesen Sie seine griechische Geschichte", schreibt der Schweizer Dichter Spitteier, „er ließ sich da von keiner Autorität bange machen. Nicht durch die Bibel. Den Haß Jehovas gegen die anderen Götter nannte er metaphysischen Konkurrenzneid (so mutig freilich nicht ganz, ich korrigiere ihn). Er erklärte nur den Haß der Juden gegen andere Völker so, weil sie andere metaphysische Vorstellungen hatten." ..... Selbst gegen die hebräische Sprache mußte er immer wieder seine Abneigung zum Ausdruck bringen. Es sei auch hier, entsprechend einem aus Palästina mehrfach geäußerten Wunsche, eine kleine Zusammenstellung gegeben. „Den Aristoteles ins (Hebräische zu übersetzen würde gewiß unmöglich sein." „. . . . . Auch hier müssen wir vor allem an die enorme Kraft und Gefügigkeit der griechischen Sprache für die Verdeutlichung alles dessen, was man anderen zu sagen und beizubringen hat, erinnern, die hierin z. B. zum Hebräischen in einem so sprechenden Gegensatze steht . . . ." „Auch bei den Juden treffen wir die Unterordnung der Geschichte unter einen großen Gegensatz: den der Theokratie des echten Jehovadienstes und ihrer Feinde; man hat es bei ihm mit den Akten eines Prozesses zu tun. Dabei erzählen sie nicht typisch poetisch, sondern prosaisch, sie wollen das Geschehene melden und erheben sich bei allem Abscheu gegen das Nichtjüdische doch bis zur Mitteilung einer Völkertafel, wie wir sie im zehnten Kapitel der Genesis lesen. (Gewachsen ist dieses Aktenstück freilich kaum auf original jüdischem Boden; denn ein ethnographisches Interesse, wie es hier zum Vorschein kommt, ist bei den. Juden ganz undenkbar; .....) Aber trotzdem und obgleich sie als Bewohner eines Durchzuglandes wichtiges über die ägyptischen und assyrischen Invasoren berichten, fehlt ihnen der objektive Geist gänzlich,..." „Nun hat es in einer stumpferen Ursprache einen Jesajas und in einer abgeleiteten Sprache einen Shakespeare gegeben, und diesen mag es genügen, daß sie Höhepunkte des nationalen Vermögens sind. Sagen kann man gewiß auch in dieser Sprache vieles, aber man kann keine Seite Plato ins Hebräische übersetzen, und ein stumpfes Organ überwinden zu müssen, verlangt schon eine Kraft, welche dann dem direkten Verkehr mit dem Geistigen verloren geht." (Ueber die Septuaginta.) „Dabei mag man sich freilich fragen, wie den engen hebräischen Gedanken in dem weiten, griechischen Gewände zu Mute gewesen sein mag; sie schickten sich aber darein und blieben darin stark, trotzdem sich der Geist nicht in ein neues Begriffs- 120

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