Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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weiterleiten und die Verbindung zwischen den am gleichen Gebiet interessierten herstellen. Ein Vorteil der angestrebten Arbeit liegt darin, daß der Kreis keineswegs auf den Bezirk einer Stadt beschränkt zu werden braucht. Man wird kaum immer in den drei Städten, geschweige denn in den kleineren Snifim, für eine Frage eine genügende Zahl von Interessierten finden, und bei der Art der Arbeit ist auch ein schriftlicher Gedankenaustausch mit gelegentlichen Zusammenkünften mitunter ausreichend, so daß man z. B, die Bbr. Bbr. in Deutschland wie in den anderen Ländern zur Mitarbeit heranziehen soll. Es ist nicht meine Aufgabe, hier das Arbeitsprogramm der einzelnen Gruppen aufzustellen. Das bleibt jeder Gruppe überlassen. Da sich aber für alle eine ganze Reihe gleichgearteter Arbeiten ergeben, will ich einige davon erwähnen. Bei der wesentlichen ersten Arbeit jeder Gruppe, der Sammlung des Materials, kann man schon das Kartell in Deutschland sowie die Bbr. Bbr. in anderen Ländern bemühen. Denn abgesehen von ihrer direkten Mitarbeit als korrespondierende Mitglieder der Gruppen können sich viele durch Beschaffung von Zeitschriften, Statistiken, Grundmaterial und Büchern nützlich machen. Wenn man nur die Bbr. Bbr., die für das Gebiet in Betracht kommen, dazu anhält, ihr Augenmerk den. einschlägigen Fragen zuzuwenden, werden sie bald aus eigenem Interesse Veröffentlichungen, Neuerscheinungen und anderes Material, das in ihren Gesichtskreis tritt, hierher schicken. Mir kommt es sehr darauf an, unsere überseeischen Beziehungen auszunutzen, denn wir werden vermeiden müssen, daß wir, geleitet von unserer Erziehung und Erfahrung in Deutschland, uns einer zu einseitig deutschen Begriffsbildung befleißigen. Wir haben bisher es kaum verstanden, aus dem traurigen Kapitel unserer Zerstreuung Kapital zu schlagen. Unser kleiner, aber so bunt zusammengesetzter Jischuw bietet die beneidenswert gute Möglichkeit, uns aus unmittelbarer Quelle über abweichende Anschauungen und bewährte Methoden fast aller Völker zu orientieren. Denn wenn ich auch glaube, daß der Kern der Gruppen aus Bbr. Bbr. zusammengesetzt sein wird, wird es doch richtig sein, wertvolle Außenstehende heranzuziehen und vor allem zu Informationszwecken gerade Leute anderer Schulung und Erfahrung zu Vorträgen aufzufordern. Bei der Arbeit der mehr naturwissenschaftlich orientierten Gruppen werden wahrscheinlich auch direkte Untersuchungen und Versuche notwendig werden. Ich bin optimistisch genug zu glauben, daß die große Zahl der in fast allen Laboratorien des Landes arbeitenden Bbr. Bbr. diese Arbeit ohne große Schwierigkeit wird ermöglichen können. Die meisten werden über freiwillige Mitarbeiter erfreut sein, und selbst bei der Beschaffung der notwendigen Gelder zu Versuchszwecken bin ich keineswegs skeptisch, da die Vorschläge ja als Ergebnis einer Gruppenarbeit, also nach Durchberatung eines Kreises nur sachlich interessierter Menschen gemacht werden. Dafür wird man die Zustimmung wissenschaftlicher Fonds eher erreichen. Es liegt mir fern, den schon bestehenden Berufsvereinen oder wissenschaftlichen Gesellschaften des Landes einige weitere hinzuzufügen oder ihnen gar Konkurrenz zu machen. Der wesentliche Unterschied besteht ja gerade darin, daß in derartigen Organisationen zwar Vorträge mit mehr oder minder guten Aussprachen stattfinden, daß man als bestes Resultat eine Tagung mit einem bestimmten Thema und guten Vorträgen dazu erwarten kann, jedoch wird die Bearbeitung eines Themas oder eines Gebietes durch eine Gruppe nicht gelingen. Das soll ja mit ein Vorzug unsrer Arbeitsgruppen sein, daß sie entzogen sind diesen persönlichen Eitelkeiten, der Rücksichtnahme auf höchst fragliche Fachgrößen, wissenschaftlich drapierter Eigenreklame, 114