Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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5. Ganz kurz will ich noch auf die Ausbreitung und Durchsetzung des Hebräischen in Palästina eingehen. Wie ich höre, hält sich Bbr. Mosche Goldmann über das deutsch-hebräische Kauderwelsch auf, das man hier oft zu hören bekommt« Dieses Kauderwelsch ist gewiß nicht schön, Würde es sich als neues „Judendeutsch'4 in Palästina einbürgern, so müßten wir hiergegen mit allen Mitteln kämpfen, In Wirklichkeit liegen die Dinge aber ganz anders. Dieses „Judendeutsch" ist der Ueb ergang zum Hebräischen. Eines ist dabei charakteristisch. Was dem Einwanderer neu ist, lernt er als erstes Hebräisch zu bezeichnen. Diese hebräische Bezeichnung behält er sofort bei, verleiht er seiner, vorläufig noch deutschen Sprache ein. Was ist ihm neu? Die Landschaft, der Karmei wird ihm zum „Har", das Meer zum „Jam". Der Beruf — der Bau wird gleich „Binjan", der Mast „Amud", der Schuppen „Machsan", der Arbeiter „Poel". Die Regierung nennt er „Memschalah", den Polizisten „Schoter", das Netz vor dem Fenster „Reschet", die Rouleaus „Trissin" und so weiter. Bei berufstätigen Menschen, die zum systematischen Lernen wenig Zeit und Spannkraft haben, geht der Weg der Einverleibung der Sprache anders vor sich, als man es sich zunächst rein theoretisch vorstellt. Man greift das aus dem täglichen Leben heraus, was einem als neu auffällt, was einem selbst neu ist, und womit man stündlich zu tun hat. So wird ein Sprachskelett geschaffen, das gleichzeitig wächst, angefüllt und umkleidet wird. Der zweite Schritt sind kleine Sätze im Berufsleben, beim Kaufmann („Makoleth"). Sehr viele können sich schon leidlich hebräisch in ihrem Berufe, aber nur in ihrem Berufe, unterhalten. Die Erweiterung der sprachlichen Fähigkeiten auf anderen Gebieten kommt erst später. Es kann auch gar nicht anders sein bei Menschen, die 1. sich beruflich umgestellt haben, 2. sehr hart arbeiten, 3. unter erschwerten klimatischen Bedingungen leben müssen und 4. einen bürgerlichen Lebensstandard mit einem proletarischen vertauscht haben. Andere Forderungen werden an Menschen gestellt werden müssen, die vom Ertrag ihres Vermögens leben können und infolgedessen Zeit und Muße haben, systematisch, gründlich und schnell hebräisch zu lernen. Auch sprachliche Betrachtungen sollten nie die sozialen Grundlagen verlieren. Team^Work Von Bbr. Irvin L. Fisher - Jerusalem. Dem Kartell wird häufig vorgeworfen, daß es den Fragen unseres Volkes zu akademisch gegenüberstehe, und wir müssen diesen Vorwurf als berechtigt gelten lassen. Denn die Banalität, daß wir ein Bund von Akademikern sind, ist kaum zu leugnen, und die Distanz zu dem Leben der Massen ergibt sich bei dem akademischen Beruf des Gros unsrer Bundesbrüder zwangsläufig. Auf die verschiedenen teils richtigen, aber sehr häufig auch falschen und verkrampften Versuche zur Ueberwindung dieses Zustandes will ich jetzt nicht eingehen. Hier konstatiere ich nur die Tatsache unsres Akademikertums und werde mit den nachfolgenden Vorschlägen versuchen, aus der Not eine Tugend zu machen. Eine besondere Verpflichtung erwächst uns aus der Tatsache, daß das jüdische Volk und damit der Jischuw auf absehbare Zeit in den akademischen Berufen überbesetzt ist. Aber trotz der großen Zahl von Rechtsanwälten, 112