Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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zu Achad Haam, mit dieser Anschauung auseinandergesetzt. So schreibt er an einer Stelle: nn man - :nnmn hv omm^ misan tDsc^D rvnm un DHiiT iwhd brtrh im» dwk nvraa rterub DTip :o»pi rt -nra ,d*dib> dw nmh ntötwDiD „Die Juden haben das Erstlingsrecht vor dem Judentum. — Der lebende Mensch geht dem Erbe seiner Väter von Wir müssen aufhören, Juden eine« abstrakten Judentums zu sein und selbständige Juden werden, als lebendes und existierendes Volk." Von diesen von Berdyczewski kritisierten Grundlagen gehen die Sprachmystiker aus. Sie sind Feind jeder sprachlichen Neuerung, sprechen von der notwendigen Hebraisierung des modernen Hebräisch« wollen, wie Klatzkin, unsere gesamte mehr als zweitausendjährige Literatur durchstöbern und nur das gelten lassen, was an Sprach- und Formengut, an Syntax in ihr enthalten ist. Den Weg zeigt deutlich Agnon, den Berdyczewski wiederum als ersten in seinem wahren Charakter deutlich erkannt hat, der in altertümelnden Stil das Krumme gerade werden ließ und im Kampfe innerhalb der Iryat Tel-Aviv auf Seite deren stand, die das Schulwerk der Histadruth fanatisch angreifen und bekämpfen .... Den Sprachmystikern gegenüber stehen die Sprachrealisten, die Rationalisten der Sprache. Ihnen ist die Sprache kein Himmelsgeschenk, sondern einzig und allein Ausdrucksmittel von Menschen. Für sie hat die Sprache nichts Selbständiges, das sie als selbständige Welt und unabhängiges Kultur* gut rangieren ließe. Sprache ist — für sie — nicht Zweck, sondern Mittel« Sie bewerten daher auch nicht die Sprache nach irgend einem kulturellen Reichtum, Sprache enthält ihn ja nicht, sondern drückt ihn nur aus« Ihr Bewertungsmaßstab ist ein realistischer. Ist eine Sprache imstande, alle Gedanken, Gefühle und Empfindungen eines Menschen einem anderen so zu vermitteln, daß dieser zweite sie präzis erfährt, so ist diese Sprache gut Geschieht diese Vermittlung mit einem Minimum an Aufwand, so ist sie sogar sehr gut. Ist dagegen alles nicht der Fall, so ist die betreffende Sprache auch nicht viel wert. Daß ein solcher Standpunkt die geschichtlich gewordene Sprachproduktion nicht außer acht läßt, ist selbstverständlich. Er sucht auch in der Vergangenheit, aber er bindet sich nicht an sie. Findet der Sprachrealist in der alten Literatur Worte und Ausdrucksweisen, die die vermittelnde Funktion der Sprache verbessern und erleichtern können, so wird er sie gern übernehmen oder der Moderne anpassen und sie entsprechend abwandeln. Er sucht nur der Gegenwart willen in der Vergangenheit, lehnt es dagegen ab, um der Vergangenheit willen die Gegenwart zu verändern. Ich rechne mich zu diesem Lager der Sprachrealisten und will von ihrem Standpunkt aus zu einigen Fragen des palästinensischen Hebräisch Stellung nehmen, um zu zeigen, wie wichtig das Grundsätzliche in Dingen der Sprachpraxis ist. 4. Jede Sprache geht den Weg der Abstraktion. Der primitive Negerstamm hat für mein Vater, dein Vater, besondere Worte. Daß „Vater" bei dir und mir ein gleiches Verhältnis, eine gleiche Beziehung bedeuten, mit dem einfachen Unterschied lediglich, daß der eine eben mein Vater und der andere dein Vater ist — diese Erkenntnis ist bereits eine abstrahierende, die der primitive Neger nicht hat. Deshalb seine sprachliche Komplikation: mein Vater, dein Vater, besondere Worte. Wir besitzen diese Erkenntnis, 110