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Der jüdische Wille · 1936-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1936) · page 19

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Amerika, haben sich mit Hebräisch in Palästina abgefunden und bejahen überdies hinaus grundsätzlich die hebräische Entwicklung Erez Israels, Ob Sprachenbabel, ob Jiddisch oder Hebräisch, ist in Palästina keine Frage mehr, steht nicht mehr zur Debatte, Das Problem hat einfach aufgehört, zu existieren. Dagegen gibt es heute noch zwei Fragen. Erstens: wie wird der Hebraisierungsprozeß im Lande beschleunigt? Diese Frage ist erzieherisch-didaktischer, also technischer Natur, Sie hat auch ihre grundsätzlichen Seiten, Der Zugang zur Lösung ist aber praktischer, wenn man so will, materieller Art, Die Lösung wird von Tag zu Tag leichter, sowohl allgemein als auch individuell. Die Zeit hilft viel und für spätestens die zweite Generation, die Kinder, wird diese Frage nicht mehr bestehen. Subjektive Momente spielen eine Rolle u. a. — kurz, diese Frage hat für uns keine theoretische Bedeutung mehr. Wir sind uns der befriedigenden Lösung sicher. Die zweite Frage dagegen hat anderen Charakter und andere Bedeutung: welches nämlich soll der Entwicklungsverlauf der hebräischen Sprache selbst sein? Soll die Sprache nur an Altes anknüpfen oder auch „neu beginnen"? Die Wirklichkeit hat längst entschieden. Die Kinder kennen begreiflicherweise nicht den großen Schatz unserer Literatur und bilden lustig darauf los, neue Worte, neue Prägungen, neue grammatische und neue syntaktische Regeln. Zum Leidwesen vieler, die den Eltern und Lehrern hieraus oft Vorwürfe machen. Haben jene nun, die diese Entwicklung bedauern, recht oder etwa die Wirklichkeit des täglichen Lebens? Sollen wir bejahen oder verneinen? Diese Frage ist von grundsätzlicher Art, erfordert Stellungnahme und allgemeine Auseinandersetzung. Deshalb sei sie als wichtigste zu Anfang und ausführlich behandelt. 3. Ebensowenig wie es etwa einen „Zionismus an sich" gibt, ebensowenig gibt es einen Standpunkt in unserer Frage, der losgelöst von allgemeinen gesellschaftlichen und kulturellen Anschauungen gewonnen werden könnte. Wir kommen bei der Beantwortung um „Philosophie" und sprachphilosophische Betrachtungen nicht herum. Hier gibt es — in aller Kürze — zwei mögliche, einander vollkommen entgegengesetzte Betrachtungsweisen, eine sprachmystische und eine sprachrealistische, rationalistische Betrachtungsweise, die sich in der kritischen Bewertung der menschlichen Sprache überhaupt unterscheiden. Die erste mißt der Sprache Eigenwert und Eigenbedeutung zu. Sprache führt für sie ein Eigenleben, jenseits von den Menschen, die sie sprechen. Für die Mohammedaner beispielsweise ist das Arabische des Koran göttliche Sprache, das, weil es göttlich ist, auch nicht mehr entwicklungsfähig sein kann (woraus sich eine Fülle von praktischen Problemen ergeben hat). Für viele Kulturphilosophen ist die Sprache etwas besonderes Geistiges, das selbst, quasi von alleine nur durch sich selbst lebt, nicht von Menschen beherrcht wird, sondern umgekehrt, Menschen beherrscht. Die Sprache ist Herrin, nicht Dienerin, Königin in der Kultur, selbst Kultur und nicht kultureller Ausdruck. Mit dieser sprachphilosophischen Haltung ist eng eine kulturphilosophische verbunden, die, ganz grob, etwa so umschrieben werden könnte: Kultur ist die Summe der geistigen (vor allem der literarischen) Produktion der Vergangenheit. M. J. Berdyczewski (Micha Josef bin Gorion) hat sich im modernen Judentum vielleicht am gründlichsten, vor allem in seiner Kritik 109

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