Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1936-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1936) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2827066-3186705-3186708--1232-3187301
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

n i s c h e Einflüsse mit sich, und wenn, nach Kenntnis einiger Vokabeln und Phrasen, diese Einflüsse sich durchsetzen, wenn die Unorganik sich durchsetzt, so ist das Ende ein erbarmungswürdiger Sprachbarbarismus, vor dem wir uns nicht genug hüten können, wenn wir unser nationales Ausdrucksmittel rein erhalten wollen. Aber darum müssen wir bestrebt sein; denn nur in einer sauberen Sprachform kann ein sauberer Gedanke zum Ausdruck kommen. Was also bleibt denen, die sich eine sprachliche Kenntnis erringen wollen, wie sie dem wirklichen Sprachgeist entspricht? Doch nur wieder, bis zum Erscheinen der autoritativen Werke, auf die wir hoffen, das Studium jenes Sprachgutes, das dem wahren Sprachgeist entspricht: Das Studium unserer alten, religiösen Literatur, besonders der Bibel; daneben aber, als neues Sprachgut, das Studium guten palästinensischen Schrifttums, das schon recht zahlreich ist und in jedem Jahre beträchtlich wächst. Als erstes und letztes also: Das Studium. Nicht der schlechthin, nach minderwertigen Lehrbüchern Arbeitende, wohl aber der ernsthaft Studierende wird sich selbst befähigen können, den Geist der Sprache zu erfassen, aus dem heraus er der sprachlichen Barbarei entgegenzutreten imstande sein wird, wie er seinen Sinn der gegen alte Regeln verstoßenden sprachlichen Erneuerung erschließen wird, um damit schöpferisch mitzuwirken an dem einzigartigen Werk unserer sprachlichen Erneuerung. Entwicklungstendenzen des Hebräischen Von Bbr. Marcel Lew - Jerusalem. 1. Wie ich höre, hat im letzten „Jüdischen Willen" Bundesbruder Mosche Goldmann über das palästinensische Hebräisch geschrieben und zum Teil kritisch Stellung genommen. Ich habe den J. W. leider nicht erhalten und auch nicht die Möglichkeit gehabt, den Artikel zu lesen, da mein Beruf mich zwingt, viel im Lande herumzureisen und keiner mir unterwegs den J. W. zum Mitnehmen überlassen wollte. Die hiesige Polizeistunde im Tel-Aviv, um 7 Uhr abends haben ja alle in den Häusern zu sein, gibt mir Zeit, zu dem von Goldmann gestellten Problem einiges zu sagen, was mir schon länger, von Europa her auf dem Herzen liegt. Ich möchte dabei betonen, daß ich nicht gegen Goldmann polemisieren möchte. Denn ich habe den Artikel nicht gelesen, und außerdem ist mir wesentlich, positiv meinen Standpunkt zu begründen. 2. Wie der Hebraist — auch der potentielle, nämlich der wirkliche Zionist — an die Bewertung des palästinensischen Hebräisch herangeht, welchen Zugang er von vornherein hat, ist von ausschlaggebender Bedeutung* Und nicht nur das: d a ß er einen solchen Zugang hat, ist notwendig und hat theoretische Klarheit zur Voraussetzung. Es gab einmal auf der „jüdischen Gasse" einen Streit, ob Hebräisch in Palästina als die jüdische Sprache überhaupt erforderlich und wünschenswert sei. Noch Herzl hat dies Problem nicht gesehen, geschweige seine Bedeutung erkannt. Aber: dieser Streit ist längst entschieden. Er existiert nicht mehr. Hebräisch hat sich durchgesetzt. Die fanatischsten Jiddischisten, selbst die Anhänger des früheren „Bund" in 108

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.