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Der jüdische Wille · 1936-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1936) · page 15

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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zipielle Fragen zu erörtern, die für die große Zahl der Hebräisch lernenden seihst über den bundesbrüderlichen Rahmen hinaus, von Interesse sind« Für uns kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die hebräische Sprache mehr «ein muß als „Verständigungsmittel zur Erreichung gewisser Vorteile"« Schreiber dieser Zeilen hat vor Jahren versucht, im J. St. die von uns unserer nationalen Sprache gegenüber zu fordernde Haltung zu skizzieren und seinerzeit in der hebräischen Kommission des K. J. V. in Deutschland versucht, die aufgestellten Prinzipien vor allem in bundesbrüderlichem Kreis auch praktisch durchzusetzen. Damals war das reale Palästina uns noch fern, unser Interesse war mehr akademisch als praktisch. Heute befinden wir uns in einer anderen Situation. Für viele bestand früher in nur geringem Maße, für manche gar nicht ein sprachliches Interesse. Ein Sprachproblem wurde kaum empfunden» Heute ist aber wirklich — bei aller Berechtigung der Goldmannschen Aussetzungen — bei bevorstehender oder nach vollzogener Alijah die Sprache zum „Verständigungsmittel zur Erreichung gewisser Vorteile" geworden. Um mit hiesigen Ausdrücken zu reden: Ein sprachliches Konjunkturstadium ist über uns hereingebrochen, das die „Prosperity" unserer Sprache nicht gefördert hat. Die Sauberkeit unserer Nationalsprache wird beeinträchtigt einmal durch eine gewisse Non-chalance von Lernenden — sie wollen sich so rasch wie möglich verständigen können, exaktes Können ist irrelevant —, zum anderen durch ungenügende und unfundierte Kenntnis der zahlreich auftauchenden Lehrenden, ihren Mangel an methodischem, psychologischem und pädagogischem Verständnis. Erschwerend ist der Umstand, daß trotz der Fülle der auf dem Markt erschienenen Lehrbücher unter ihnen noch kein wirklich allen Anforderungen gerecht werdendes Werk erschienen ist. Der geringste Vorwurf, den man den Verfassern machen müßte — außer M. Goldmann —, ist der der Oberflächlichkeit, des Mangels für das Verständnis der Verantwortung, die mit der Herausgabe eines Lehrbuches verbunden ist. Die Konjunktur hat, nicht zum besten unserer Sprache und ihrer Erlernung, die überstürzte Herausgabe von Büchern forciert, und keine Instanz überwachte kritischprüfend die Qualifikation des Autors und seines Werkes. Vielleicht ist es, nicht zum mindesten, der Mangel des geeigneten Werkes für Unterricht und Lernen, der einen Teil der Schuld an bestehenden sprachlichen Mißständen trägt. Eines Werkes, das hinausgeht über die an sich guten Werke christlicher Theologen, deren Maßstab nur die Bibel und das darin abgeschlossene Sprachstadium ist; das aber auch hinausgeht über die Werke jüdischer Autoren, die sich zumeist mit der Darstellung der Lehre einfacher Formen und des Verbs in seinen Abwandlungen befassen. Es bedarf etr»er gründlichen Untersuchung eines Linguisten, der aus der lebendigen Sprache seine Erkenntnisse schöpfen und sie zur Darstellung bringen muß. Hier ergibt sich allerdings eine Schwierigkeit für den Bearbeiter, die besonders in Palästina immer wieder in Erscheinung tritt, die Spreu von dem Weizen zu trennen. Die gesprochene Sprache Palästinas ist durchsetzt mit einer Fülle von Unebenheiten; diese haben ihren Ursprung teils in der wirklichen Unkenntnis von elementarer Grammatik und Orthographie, teils in der Unkenntnis bestimmter komplizierterer grammatischer Gesetze, die nur dem Gelehrten bekannt sind, während der durchschnittliche Lernende in den landläufigen Büchern kaum eine Erwähnung derselben findet; teils sind diese Unebenheiten zurückzuführen, vielfach so in Stilistik und Phraseologie, auf den Einfluß fremder Sprachen, und endlich entspringen sie einer organischen Fortentwicklung im Munde der Sprechenden, die beim Sprechen der Impuls und nicht das grammatische Gesetz leitet. Was ist zu akzeptieren? Was ist zu verwerfen? Was ist richtig? Was ist falsch? Die Sprachpuristen wollen 105

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