Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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wendig, eine ernsthafte und nachhaltige Propaganda für die Erlernung des Hebräischen zu machen. — Viele Hunderte von ehrenamtlichen Mitarbeitern wurden herangebildet, welche sich mit der Werbung für Iwrith befassen. Eine große Zahl von hebräischen Veranstaltungen von Ssichoth und Chugim iwriim dienten zur Verbreitung des Verständnisses für die Sprache und ihrer Kenntnis. Von dieser mühevollen Arbeit profitierten schließlich nicht nur die Kurse der Z.-O., sondern auch das Institut, an dem Bbr. Goldmann tätig ist. Die Lehrer: Gewiß ist es richtig, daß die Zahl der 1933 vorhandenen hebräischen Lehrer nicht ausreichte, um den Bedarf zu decken. Richtig ist darum auch, daß man sich manchmal mit zweitklassigen und drittklassigen Lehrern behelfen mußte. Daran ist aber nicht die Z.-O. schuld! Wir sehen jetzt einen analogen Fall bei der Errichtung der jüdischen Schulen, wo trotz des nicht so plötzlichen Umschwunges eine große Zahl von guten Lehrern fehlen. Wenn man dies aber objektiv betrachtet und nicht mit der Absicht* der Zionistischen Organisation eins auszuwischen, dann muß man doch anerkennen, daß eine sehr beträchtliche Anzahl erstklassiger und erfahrener Lehrer sich in den Dienst der hebräischen Arbeit der Z.-O. gestellt haben. Man denke nur an Namen wie Meier Mohr, Barasch, Sara Perski, Dr, Borodianski, Dr. Kapliwatzki, Dr. Kaleko, Dr. Broser Ben Ascher, Dr. Mase, Dr, Ehrenkranz, Joseph Jacobsohn, Dr. Heller und viele andere, deren Namen mir im Augenblick nicht einfallen, die es aber wohl verdienen, in dieser Liste genannt zu werden. — Das sind keine „bis 1933 verhinderte Hebraisten"! Wie Bbr. Goldmann angesichts dieser Tatsachen sagen kann, daß „unsere maßgebenden Instanzen . . . total versagt" haben, daß bei ihnen beinahe der „Grundsatz" bestand: „sprach ein Ostjude . . . schlecht oder mit Akzent Deutsch, so war er perfekter Hebraist", das bleibt unerfindlich, wenn man nicht annehmen will, daß er sich von einer blinden Gegnerschaft zur hebräischen Arbeit der Z.-O. hat hinreißen lassen. Bbr. Goldmann findet, daß das Hebräische zur Parnosse geworden ist. Nun, für jeden Lehrer ist sein Lehrerberuf zugleich Parnosse. Bbr. Goldmann, der ja bei der Gemeinde als hebräischer Lehrer angestellt ist, lebt doch auch davon! Warum sollen die Lehrer bei der Zionistischen Organisation nicht verdienen, oder wieso sind sie weniger „Idealisten", weil sie auch verdienen? Nun soll eine ausländische Zeitung mal das Hebräisch als die einzige Parnosse für einen Juden bezeichnet haben. Glaubt das Bbr. Goldmann auch? Dann muß man ihm allen Ernstes sagen, daß ein hebräischer Lehrer bei der Zionistischen Organisation ein ganz anderes Maß von Idealismus mitbringen muß, als es von einem Lehrer bei der Jüdischen Gemeinde im allgemeinen erwartet wird, der in festem Gehalt steht und unter ganz anderen Bedingungen arbeitet, und man muß es aufs tiefste bedauern, daß er sich nicht richtig informiert hat, bevor er seine schweren Angriffe auf die Lehrer richtete. Und nun der Lehrplan und die -Methode: Kein vernünftiger Mensch wird die Z.-O. für alle Lehrbücher verantwortlich machen, die in der Zeit der Konjunktur erschienen sind. Wenn aber Bbr. Goldmann sich besonders scharf gegen ein von der Z.-O. empfohlenes Lehrbuch wendet, so muß dazu gesagt werden, daß nicht alle Hebraisten seine Meinung teilen. Am allerwenigsten die Schüler, die aus diesem Buch gelernt haben und noch lernen. Ich habe bei Zertifikatsprüfungen auch gefunden, daß die Kenntnisse, die sich die Schüler aus diesem Buche angeeignet haben, durchaus brauchbar waren. Man kann sich bei der Beurteilung eines Lehrbuches nicht immer nach der Meinung der Verfasser anderer Lehrbücher richten. So habe ich kürzlich von einem bedeutenden Hebraisten in Berlin ein durchaus abfälliges Urteil über ein von einem sehr bedeutenden Professor an der Universität in 103