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Der jüdische Wille · 1936-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1936) · page 9

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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sich je nach seinen Neigungen und Fähigkeiten entscheiden können- Eine zionistische Gemeinschaft aber wird sämtliche Erfordernisse des Augen« blickes und der Situation zu beachten haben. Und da scheint es doch, daß die politische Aufgabe dem Zionisten heute als mindestens so dringlich er* scheinen muß, zumal Wechselwirkungen bestehen und auch die kulturelle Frage und ihre Lösung auf das innigste verknüpft sind mit der politischen Gestaltung unseres Volkes und Erez Israel. Damit komme ich zum zweiten Problem, mit dem sich diese Tagung beschäftigt hatte: die Zionisierungsarbeit innerhalb der deutschen Alijah. Ein Teilproblem des allgemeinen Zionisierungsprozesses des Jischuw. (Man muß sich daran gewöhnen, daß „Jischuw" nichts Stabiles bedeutet, nicht mehr gleichzzusetzen ist mit dem, was man noch vor 3 Jahren als den „Jischuw" bezeichnete. Auch wir sind „Jischuw", jeder Oleh, der vor einigen Tagen ins Land gekommen ist, gehört dazu.) Bei der Massenalijah, die in den letzten Jahren ins Land kam, konnte naturnotwendigerweise in allen Schichten und Schichtungen dieser Alijah nur ein verhältnismäßig kleiner Teil Zionisten sein, ein noch kleinerer Menschen, die darüber hinaus im besten Sinne des Wortes zionistische Idealisten sind. Es entstand die Frage, wie werden aus diesen Olim Zionisten oder wie bleiben sie Zionisten und was hat zu geschehen, um dieses zu erreichen. Träger dieser Zionisierung hätte die Zionistische Organisation sein müssen; sie hat diese Aufgabe nicht erkannt, und vieles ist versäumt worden. So bleibt für uns, die wir den Anspruch erheben, ein zionistischer Bund zu sein, die Verpflichtung, von uns aus unser Möglichstes bei uns und den anderen zu tun. Unser Aufgabengebiet ist die Arbeit in der deutschen Alijah und in der Organisation dieser Alijah, der Hitachduth olej germania. Dieses Tätigkeitsgebiet ist uns gegeben und die Tagung hat klar und deutlich gezeigt, daß das Kartell sich in den Dienst dieser Arbeit stellen muß und will. Die Existenzberechtigung des Kartells hier in Erez Israel wurde auf dieser Tagung nicht mehr bezweifelt, wenn auch bei manchen Rednern eine Skepsis sich zeigte, ob die K. J. Ver bereit und geeignet sind — wenigstens in dem heutigen Zeitpunkte ihres Emlebens — ihre Existenzberechtigung durch eine positive Leistung zu erweisen. Eines muß aber als ein bedauerliches Ereignis bezeichnet und auch als eine ernste Mahnung bewertet werden, nämlich daß auf dieser Tagung die jungen Bundesbrüder nicht vorhanden waren oder zum mindesten schwiegen. Ist die Entfremdung dieser Bundesbrüder vom Kartell in der Stadt oder von den älteren, die immer wieder erscheinen, schon so groß, daß wir nicht mehr zueinander sprechen können? Oder gibt es noch die Möglichkeit, die Gemeinsamkeiten hervorzuheben und auch hier gegenseitig aufeinander einzuwirken? Um unser aller willen muß der Versuch gemacht werden. Ich meine, daß dem K, J. V. ein wesentlicher Teil seiner Menschen und seines Selbst verloren gehen würde, wenn es nicht möglich werden sollte, wenigstens zu einem Verstehen, zu einem Aufeinander-Eingehen und einer gegenseitigen Verantwortung zu kommen. Die Revisionistenfrage spielte keine Rolle. Sie ist für das K. J. V erledigt. Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, daß in der Sache selbst die Trennung eine richtige war. Darüber gab es bei keinem BunJesbruder, auch nicht bei denen, die an der Form manches auszusetzen hatten, eine Meinungsverschiedenheit. Das K. J. V. hat die Linie seiner politischen Tradition nicht verlassen. Wir waren stets stolz darauf, Diener der zionistischen Organisation zu sein, und haben ihr zu jeder Zeit die Treue gehalten. Wir werden sie auch weiter halten. Wer diese Treue bricht, zerbricht auch das bundesbrüderliche Band. Diese vorbehaltslose Anerkennung unserer 99

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