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Der jüdische Wille · 1936-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1936) · page 8

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Das KJV. nach der Weida Von Bbr, P a u 1 H i r sc h - T e 1 - A v i v. Dem nachstehenden Aufsatz von Bbr. Hirsch, der zum Präsiden des Palästina* Kartells gewählt wurde, kommt mit Rücksicht auf die programmatischen Ausführungen erhöhte Bedeutung zu. I. Die Weida war ein guter Anfang für eine neue Arbeitsperiode. Nicht deshalb, weil man Neues, Grundlegendes zu hören bekam, nicht deshalb, weil es um große ideologische Auseinandersetzungen ging, sondern weil man, wohl zum erstenmal in Erez Israel, etwas Einheitliches spürte, etwas von dem Willen aller, mitzuschaffen und mit die Verantwortung zu tragen. Es fehlte zwar nicht an Kritik, an Kritik am Präsidium, am K. J. V. als ganzem, an der gesamten Situation der Deutschen Alijah, aber diese Kritik war sachlich, bundesbrüderlich, ohne Sensationen und ohne Stunk. Man wollte zeigen, wo die Fehler der Vergangenheit waren, wollte bessern und Wege neuer Arbeit finden, Es fehlten glücklicherweise die persönlichen Reibereien, die die letzten Tagungen vielen so unerträglich gemacht hatten. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die zwei Probleme der hebräischen Kultur und der Zionisierungsarbeit in der deutschen Alijah, zwei Referate von Jacobsohn und Arnsdorf. Es soll auch hier betont werden, daß die Tatsache, daß ein großer Teil der Referate und Diskussionsreden in hebräischer Sprache gehalten waren, uns nicht darüber hinwegtäuschen darf, wie viel noch zu tun ist, bis wirklich von einer Hebraisierung des Kartells zu sprechen ist, wenn auch zweifellos gegenüber früher ein Fortschritt festzustellen ist. Die Frage unserer Kultur ist das brennende Problem des Jischuw als Ganzem. Das K. J. V. und wir K, J. Ver sind hier fast nur Nehmende, Lernende — wahrscheinlich nicht genug Lernende. Es ist wohl allen klar, daß Lernen nur ein Anfang, aber eine unumgängliche Notwendigkeit ist, um zum Leben in der Kultur zu gelangen, ja die Kultur erst überhaupt erleben zu können. Für die meisten wird bis dahin noch ein langer Weg zu gehen sein. Ob wir, die heutige Generation, das Ziel erreichen werden, wer mag dies voraussagen? Aber das Problem besteht; es wird auch noch brennend sein für die Generation unserer Kinder, Die Verantwortung trifft daher auch uns persönlich. Die Antwort, die Jacobsohn in seinem Referat gab, kann wohl die meisten nicht befriedigen. Es erscheint zweifelhaft, ob gerade wir geeignet und in der Lage sind, auf irgendeinem Gebiet der hebräischen Kultur — und sei es auch nur bei der Bildung präziser Fachausdrücke — in irgendeiner Form mitarbeiten zu können, wenn man von einzelnen besonders qualifizierten Bundesbrüdern absieht. Es erscheint weiter zweifelhaft, ob es erlaubt ist, in 4er heutigen Situation des Zionismus, des Jischuw und des Aufbauwerkes sich nur auf dieses eine Gebiet zu beschränken. Die Kritik Bileskis, daß Zionismus immer noch eine politische Aufgabe ist und daß alle Tätigkeit unter dem Gesichtspunkt dieser politischen Aufgabe zu betrachten sei, ist m. E. richtig, wenn sie auch viele vor schwierige Probleme des persönlichen Mitlebens stellt. Es mag bedauerlich erscheinen, daß für uns hebräische Kultur wohl für lange Zeit, vielleicht sogar für unseres Lebens Dauer nur Arbeiten, Bemühen und Aufnehmen bedeuten kann — was nicht hindert, ja sogar verlangt, daß dieses Arbeiten, Bemühen, Aufnehmen mit dem größten Ernst zu geschehen hat, aber es hieße die eigene Situation und die der Gesamtheit verkennen, wenn man diese Tatsache nicht erkennen wollte. Und dann scheint es mir falsch, auch auf diesem Gebiet mit den Begriffen de« „nur allein" oder sogar des „entweder —oder" zu kommen. Der einzelne wird 98

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