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Der jüdische Wille · 1936-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1936) · page 4

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Makrokosmos und sie sind der Mikrokosmos« Für beide, die sich ja aus denselben Elementen zusammensetzen, gelten auch hier und dort die gleichem Gesetze, Erschüttert stehen wir in diesen schweren und sorgenvollen Wochen an der Bahre Nahum Sokolows, Man schließt die Augen, läßt die unzähligen Aufsätze, Artikel, Bücher, politische Taten, Verhandlungen, Reisen dieses Mannes an sich vorüber ziehen. Man wird geblendet von diesem ungeheuren Reichtum. Aber wenn man den Versuch macht, eine Ordnung in diese Welt hineinzubringen und etwas systematisches über ihn zu sagen, dann gelingt es genau so wenig, wie je eine Definition des jüdischen Volkes gelingen wird. Man kann gewiß die Persönlichkeit dieses Mannes sezieren und sein Leben in Kapitel einteilen. Man wird dann über den großen Zionisten Sokolow, über den Politiker, den Schriftsteller, den Wissenschaftler, den Präsidenten so und eovieler Institutionen, den großen Westeuropäer in unserer hebräischen Literatur, den formvollendeten Stilisten sprechen. — Aber was ist mit all dem schon gesagt. Machen diese eben aufgezählten Komponenten zusammen genommen etwa sein Wesen aus? Genau so wenig wie in der Welt desjenigea Volkes, dessen bester Repräsentant er war. Dabei war er all dies, und es ist für die Kenntnis seines Lebens wichtig. Er war der Nestor der zionistischen Bewegung, ein Mensch, der in seinen 75 Jahren eine ganze Epoche in sich verkörpert und von den frühesten Anfängen des Zionismus eifrigen Anteil an der Bewegung nahm. Es ist eine ungeheure Karriere, die der im Jahre 1905 zum Sekretär der Zionistischen Vereinigung ernannte Sokolow gemacht hat, als er im Jahr 1920 Präsident der Zionistischen Executive und der Jewish Agency und 1931 Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency wurde, und der zuletzt — seit Luzern — Ehrenpräsident dieser beiden zentralen Organisationen unseres jüdischen Lebens war. Ja noch mehr, man wird die Geschichte des Zionismus nicht schreiben können, ohne daran zu denken, daß Sokolow mit Weizmann zusammen die Balfour-Deklaration zu danken ist, und daß Sokolow es war, der die Zustimmung der französischen, italienischen, polnischen und südafrikanischen Regierungen zu dieser Balfour-Deklaration erlangt hat. Man kann weitergehen und sagen, daß dieser Mann in der zionistischen Arbeit nicht stehen blieb. Er hatte ein offenes Auge für alles Jüdische, das sich in der Welt zutrug, und er fühlte sich auch verantwortlich für das jüdische Volk, das zu ihm wie zu einem Vater aufblickte. Daher sein Kampf für die Rechte unseres Volkes in den osteuropäischen Ländern, daher seine Mitarbeit im Comite des delegations Juives, gemeinschaftlich mit dem verewigten Leo Motzkin, daher seine Tätigkeit für das polnische Judentum, zu dem er sich stolz bekannte. Alle Nöte und Sorgen eines in der Fremde lebenden Volkes mündeten im Herz und im Hirn dieses Vaters. Das Herz fühlte mit und kannte keine Schranken einer Partei. Das Hirn brachte alles Gefühlte zum Ausdruck und 94

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