Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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weise erreichte Annäherungen an diese Einheit geben. Die absolute jüdische Dichtung setzt also das Hebräische als Muttersprache voraus. Ob der jüdische Dichter, dessen Schriftsprache nicht das Hebräische ist, und das er erst im Mannesalter sich anzueignen versucht, die altneue Sprache seines Volkes bis zu dem Grad meistern lernt, daß er auch intuitiv, also ohne Hilfsstellung des Intellekts, hebräisch nicht nur schreiben, sondern auch dichten kann — wer wollte das zu entscheiden wagen! Nicht die jüdische Form zu finden, ist Aufgabe des jüdischen Dichters in Deutschland. Er ist nicht von nur ästhetischem Standpunkt aus zu bewerten; man rücke von den rein philologischen Momenten ab, wenn man ihn verstehen will. Seine Aufgabe ist, im edelsten Sinne^jejniT politische,; fühlt cr^ das LeTd seines Stammes in "der eigenen Brust, die Sturmzeichen einer historischen Vergangenheit in der Gegenwart seines Volkes erneut aufleuchten, so weiß er um seine Aufgabe. Sie wächst mit der seelischen Not und Vereinsamung seiner jüdischen Brüder, Jüdisch aber kann er nur schaffen, wenn er heraustritt aus dem begrenzten Bezirke seines Einzelschicksals, hinaus an die Stätte der Stürme — an die Stätte jüdischen Geschehens in dieser Zeit. Und wenn er dann formt, was in a 111 e n ist, was gütlig er allein aber nur aussprechen kann; wenn er den Zugang zum Herzen findet und das Herz anzurühren vermag — dann ist er auf dem Wege, die Aufgabe des jüdischen Dichters in u n s e r n Reihen zu erfüllen. Buchbesprechungen Bonne: «Palästina, Land und Wirtschaft» Bonne: „Palästina, Land und Wirtschaft" (Josef Singer Verlag A.-G., Berlin W 57, 1935) jetzt in 3. Auflage erschienen, bedarf keiner allgemeinen Einführung mehr. In seiner klaren Beschränkung auf die wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas und auf die Gegenwart (Seite 13) ist „der Bonne" seit 1931 für den Palästinainteressenten ein wichtiges Informations- und Nachschlagewerk geworden. Die natürlichen Bedingungen des Landes finden in gleicher Weise Berücksichtigung wie das, was von Menschenhand geschaffen wird. Daß ein großer Teil der Zahlen schon jetzt überholt ist (Seite 37 Zahl des Jischuw 300 000, nach den Feststellungen der statistischen Abteilung der Agency am 1. Januar 36: 375 000; Seite 20 Einwohnerzahl von TeT-^SwIw~ 115 000, nach neuerer Angabe 130 000 u. s. f.) mindert den Wert des Buches nicht. Gerade die lebhafte Aenderung der wirtschaftlichen Struktur des Landes macht das Festhalten von Grundtatsachen und die Feststellung von Entwicklungstendenzen, wie Bonne sie gibt, notwendig. Dabei sollen die Bemerkungen das Vertrauen, daß die gesamte Entwicklung Palästinas ohne Existenz des modernen Staates und der englischen Verwaltung nicht denkbar sein, oder, daß auch ohne die jüdische Einwanderung die Wirtschaft Palästinas aus der traditionalistischen Gebundenheit zur freien Wirtschaft übergegangen wäre, die maßgebliche Bedeutung der Juden für die Entwicklung der Wirtschaft gewiß nicht verringern. Gerade die tendenzfreie Darstellung der Sachgebiete — Landwirtschaft, Industrie, Handel u, s. f. — müssen auch dem nichtjüdischen Leser klar machen, daß die Juden die Triebkraft in der ge- 82