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Der jüdische Wille · 1936-03-01 · Heft 3 (März 1936) · page 19

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 3 (März 1936)
Date
1936-03-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Die Heranziehung der Lehrerschaft sowie der Rabbiner zum KJV, wie sie der Kartelltag beschlossen hat, ist sehr richtig; Noch wichtiger fast ist die Heranbildung neuer Lehrer und Rabbiner, die im jüdischen Geiste aufwachsen, denn nur diese werden in der Lage sein, die Jugend in unserem Sinne zu erziehen. Nur Worte, die von Herzen kommen, dringen auch zum Herzen. III. Auf dem Kartelltag ist auch die Bürokratie in der zionistischen Leitung bemängelt worden. Auch ich könnte aus Erfahrung manches dazu sagen, doch will ich der Hoffnung Ausdruck geben, daß es dem KJV gelingen wird, darin Wandel zu schaffen. Ferner wäre zu wünschen, daß das KJV einen Ausschuß bildet, der eine Reformvorlage ausarbeitet, um die Verwaltung der Jüdischen Gemeinden und Zentralstellen neu zu gestalten, der heutigen Zeit angepaßt, um das Fifty-Fifty- Prinzip nicht illusorisch werden zu lassen. Der jüdische Dichter im deutschen Sprachraum Von Manfred Sturmann. Wir bringen folgenden Vorspruch, den Bbr. Sturmann für seine Autorenabende in den Kulturbünden geschrieben hat zum Abdruck, da in ihm das Thema des Artikels „Jüdisches Schaffen heute" folgerichtig weitergeführt wird. (Red.) Der jüdische Dichter deutscher Zunge wird nie — und darum ist er eine tragische Erscheinung — die Jüdische Dichtung in jüdischer Form schaffen können. Darum ist es müßig, wie es jüngst geschehen ist, die deutsch-sprachigen Dichtungen jüdischer Autoren daraufhin zu untersuchen, inwieweit in ihnen der Weg zur jüdischen Form beschritten wurde. Solange der jüdische Dichter in der Sprache seiner räumlichen Heimat jüdische Dichtung schafft, solange ihm die jüdische Sprache, das Iwrith, nicht Muttersprache geworden ist — steht über ihm der tragische Schein zweier Sterne, die sich nicht zu einem Licht vereinen können: hier jüdischer Stoff — dort nichtjüdische, entliehene Form. Deshalb muß der jüdische Dichter in Deutschland den wohl gangbaren Weg seiner großen deutschen Vorbilder gehen: er kann weder auf die hymnische Ungebundenheit Hölderlins, noch auf das klassische Maß Kleists verzichten. Und gäbe es wahrhaftig einen Sprachgenius in unsern jüdischen Reihen, und erdächte er sich eine völlig neue geniale Form, in die zu kleiden den jüdischen Stoff ihm gelänge — es wäre immer nur eine große geistige Tat im deutschen Sprachgebiet. Die absolute jüdische Dichtung aber würde von dieser Tat nichts profitieren. Dem jüdischen Dichter deutscher Zunge bleibt die Einheit, von der wir sprachen, versagt. Er und sein Kritiker müssen sich damit abfinden. Die Einheit von Form und Stoff, von Sprache und Intuition im Jüdischen kann nur den lebendigen, elementaren Fluß der neuhebräischen Sprache zur Voraussetzung haben. Wir finden diese Einheit nur in Erez Israel und vielleicht im Osten Europas im hebräischen Schrifttum. Auch hier wird es neben der völligen Erreichung der Einheit auch nur stufen- 81

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