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Der jüdische Wille · 1936-03-01 · Heft 3 (März 1936) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 3 (März 1936)
Date
1936-03-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Brief von Bf>r. Abraham Fraenkel, Neuenhagen Wir erhalten nachstehenden Brief und kommen der Bitte um Abdruck gern nach. Nachdem der Kartelltag hinter uns liegt, muß man feststellen, daß vieles gesagt wurde, was mehr Beachtung hätte finden müssen, und daß manches Wichtige leider nur gestreift werden konnte. r I. Im Frühjahr 1907 hat die Tchiah am Friedrichs-Polytechnikum zu Cöthen „Palästinakolonialkurse" ins Leben gerufen, wo unter anderem Professor Otto Warburg, Franz Oppenheimer, Dr. Aron Sandler gesprochen haben. (Es ist nicht Zufall, daß diese Kurse gerade in Cöthen abgehalten wurden, sondern weil die Mitglieder der Tchiah damals fast ausschließlich „Zionisten von Geburt" waren, was wohl kaum eine zionistische Vereinigung Deutschlands damals aufzuweisen vermochte.) Wer den IV. Kongreß miterlebt hat, weiß, was es bedeutet, Zionist von Geburt zu sein oder aber nur durch Ueberlegung. Fehler werden überall und leider so oft gemacht, aber der ist ein Mann, der seine begangenen Fehler einsieht und ohne Scheu sie zugibt, um daraus Lehren zu ziehen, wie es damals Theodor Herzl getan hat. Prof. Warburg sagte: Palästina wird erobert werden, wenn ein jeder, der nach Palästina geht, seine Waschfrau allein macht. Er meinte damit, daß Palästina durch nur eigene Arbeit bzw. Bearbeitung seines Bodens erobert werden kann. Auf unserem letzten Kartelltag wurde darauf hingewiesen, daß früher das KJV die Avantgarde der zionistischen Bewegung in Deutschland darstellte, während heute leider sogar der richtige Kontakt mit der zionistischen Bewegung fehlt. Die Frage drängt sich von selbst auf, wie ist es dazu gekommen bzw. konnte es kommen. Die Antwort finde ich in der Aeußerung von Prof. Warburg treffend. Wer hat in den vielen Jahren vor dem Umbruch etwas unternommen, um eine gewisse Umschichtung vorzubereiten? Wer hat wenigstens etwas körperliche Arbeit geleistet? Ich meine natürlich nicht Sport, den ich aber auch um keinen Preis missen möchte. Und nun sind wir am Kern der Sache. Man hat wohl einen Offiziersstab gezüchtet, ohne vorher die Zeit des einfachen Soldatenlebens durchgemacht zu haben. Neben der beruflichen Ausbildung und zionistischer Schulung müßten die KJVer ins Volk gehen, um ihre zionistische Gesinnung praktisch zu betätigen. Aber gleichzeitig eine Vorbereitung für die Umschichtung vorzunehmen, beispielsweise durch Gartenarbeit, wie wir es damals in Cöthen vorbereitet hatten. Es waren einige Bundesbrüder im vorigen Jahre auf meinem Siedlungsgrundstück und wollten sich praktisch betätigen, aber nicht einmal den Spaten in der Hand verstanden sie zu halten, geschweige andere Arbeiten auszuführen. IL Die Erziehung der jüdischen Jugend lag und liegt auch heute noch vielfach in den Händen der Lehrer und Rabbiner von früher. Sie waren mit wenigen Ausnahmen, abgesehen von den Orthodoxen, schon immer äußerlich wie innerlich dem Judentum und den Juden, wenn nicht direkt entfremdet, so zumindest aber gleichgültig, so paradox dies auch klingt, i|nd dementsjpTec sie auch die Jugerid erzogen. Es ist unmöglich, zu verlangen, daß Lehrer und fcahbiner, fljje An. „der Assimilatiansweltanschauung aufgewachsen sind, gelebt und dementsprechend auch gewirkt haben, auf einmal nationaljüdisch denken und fühlen sollen. Es sei denn, daß man durch drakonische Maßnahmen sie dazu zwingen würde. \;80

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