Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich habe mir dieses Konzept als ein kleines geschichtliches Dokument aufbewahrt und gebe den Wortlaut wenig gekürzt hier wieder: „Meine Herren! Es handelt sich um die Frage, lassen wir das Wort „Jüdisch" in dem Namen unseres Vereins fort oder schreiben wir es hinein. Es lassen sich selbstverständlich viele Worte dafür und viele dagegen sprechen, aber es handelt sich doch darum, was tut unserem Verein not, was dient ihm am besten? Ich stehe absolut nicht auf dem Boden derjenigen, die da sagen: Wir müssen es hinausschreien in die Welt: „Ich bin Jude/' Ich weiß nicht, ob heute, wo die Abwehrbewegung gegen den Antisemitismus erst so geringe Erfolge aufzuweisen hat, dies am Platze ist, Erfolge, die doch mehr Niederlagen gleichen, da sie wenig, ja fast gar nichts erreichten. Und wenn sie recht überlegen, so ist die Bezeichnung Jude zum mindesten keine Empfehlungskarte. Das müssen sich alle eingestehen. Ich selbst will dem Verein sein jüdisches Wesen gewahrt wissen, d. h; nur jüdische Mitglieder, Vorträge mit jüdischem Inhalt, soweit möglich. Aber warum wollen wir uns vor der Welt zu etwas stempeln, was wir nicht sind, was wir nicht sein wollen. Wir haben keine jüdische Tendenz, wie z.B. e contrario der Christliche Verein junger Männer, wir haben nicht die Absicht, jüdisch-bekehrerisch zu wirken, wir sind auch hoffentlich kein zionistischer Zweigverein. Bei allem gut-jüdischen Wesen und gut-jüdischen Absichten, ohne dabei an Fanatismus zu streifen, können wir uns in dem Namen befreien von dem Worte „jüdisch". Wir vermeiden dadurch, daß uns die Oeffentlichkeit, falls wir diese mal in Anspruch nehmen, als „jüdisch" boykottiert, und darauf müssen wir uns eventuell gefaßt machen. Ich bin der Ansicht, daß man, als der Verein im ersten Stadium „Wissenschaftlicher Zirkel" hieß, geflissentlich den Zusatz „des deutsch-israelitischen Vereins" fortgelassen hat, um nicht auf Schwierigkeiten und Weiterungen zu stoßen. Wir vergeben uns nichts, wenn wir der damaligen Generation nacheifern, die richtig erkannte, daß man mit dem jüdischen Nationalitätsprinzip nicht weiterkommt. Wir kommen nun mal vorläufig noch nicht gegen den Antisemitismus an, über dessen Richtigkeit und Berechtigung sich ja sehr streiten läßt, wir wollen nicht hervortreten vor den anderen Vereinen und Corporationen, indem wir unserem Verein einen Titel geben, der die Confess i o n prägnant jedem zuerst zeigt, wo sich doch alle anderen bemühen, vor den Augen der Welt confessionslos dazustehen, gleichgültig dabei, welche Richtung im innern Verbände des Vereins besonders bevorzugt wird. Wir können voll jüdisch sein und jüdisch wirken im Innern, ohne daß wir.es jedem erst ins Gesicht schreien: „Hüte Dich vor uns, wir sind jüdisch!" Also, meine Herren, überlegen Sie wohl, ehe Sie entscheiden, urteilen Sie nicht voreilig und nicht, ohne sich selbst klar zu sein darüber, ist ein Zweck damit verbunden, nutzt es unserem Verein, wenn wir den Titel „Jüdisch" prägnant hervorkehren. Oder nutzt es ihm vielleicht mehr, wenn wir nach außen das Jüdische nicht besonders betonen." Ich glaube, man braucht dem nichts hinzuzufügen als die Worte: „It's a long way......." 79