Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1936-03-01 · Heft 3 (März 1936) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 3 (März 1936)
Date
1936-03-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2827066-3186705-3186707--1202-3187270
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Entwicklung der jüdischen Jugendvereine in Deutschland Eine Erinnerung Von Bbr. Georg Goldstein- Hannover. Bekanntlich hat sich der Verband der Jüdischen Jugendvereine in Deutschland, der sich bis dahin als neutral bezeichnet hatte, vor wenigen Wochen zum zionistischen Programm bekannt. Ein wie langer Weg zwischen der Gründung dieser Vereine und dem gegenwärtigen Stadium liegt, mag nachfolgende kleine historische Reminiszenz beweisen. An der Universität Göttingen gab es bis zum Jahre 1919 keine jüdische, auch nicht einmal eine paritätische, Studentenverbindung. Einen Ersatz bis zu einem gewissen Grade dafür bedeutete eine Vereinigung junger Akademiker und, junger Kaufleute, die noch in die Zeit vor Gründung des Verbandes der Jüdischen Jugend vereine zurückreicht. Etwa im Jahre 1903 hatte der damalige Göttinger liberale Rabbiner, Dr. B. Jakob, ein in der jüdischen Wissenschaft bekannter Mann, im übrigen alter KCer und ausgesprochener Antizionist, den „Wissenschaftlich-geselligen Zirkel des deutsch-israelitischen Vereins" begründet. Schon der Name ist vielsagend! Der „deutsch-israelitische Verein" war etwa das, was an anderen Orten die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur darstellten; man hatte aber, offenbar mit Rücksicht auf den assimilatorischen genius loci, den Namen des Vereins nach dem Wunsche der Begründer etwas weniger „anstoßerregend" schaffen wollen. Dieser „Wissenschaftlich gesellige Zirkel" stand etwa um die Jahre 1905 und 1906 in vollster Blüte. Es beteiligten sich daran schätzungsweise etwa die Hälfte der in Göttingen immatrikulierten jüdischen Studenten — der anderen Hälfte war diese Angelegenheit schon zu jüdisch —, zum Teil auch ostjüdische Studenten, einige junge Kaufleute und vor allem eine Handvoll zionistischer Studenten, insbesondere die wenigen VJSter. (Ich denke dabei in erster Linie an einen Bundesbruder Heinrich B i c k e r t, einen Mathematikstudenten aus dem Elsaß, den man als einen der ersten zionistischen Studenten in Göttingen allgemein bestaunte. Ich weiß nicht, was später aus ihm geworden ist.) Am Sonnabend abend fand regelmäßig ein Vortrag über ein mehr oder weniger jüdisches Thema statt, bei dem dann die Zionisten häufig auf ihre Ideengänge hinzulenken suchten. Im Anschluß an diesen Vortrag wurde regelmäßig in akademischen Formen gekneipt. Hin und wieder fand auch ein Ball öder eine sonstige Veranstaltung mit Damen statt; doch war das in Göttingen wegen der in der jüdischen Gemeinde in besonders starkem Maße ausgeprägten Kastenunterschiede nicht immer ganz leicht» Etwa im Jahre 1907 wollte sich die genannte Vereinigung, nachdem inzwischen an zahlreichen Orten in Deutschland jüdische Jugendvereine gegründet waren, diesem Verbände anschließen. Es tauchte nun auch, insbesondere von zionistischer Seite, der Wunsch auf, dem Verein einen anderen Namen zu geben und ihn als „Jüdischen Jugendverein" zu bezeichnen. Dieser Plan fand die heftigste Gegnerschaft der Assimilanten, insbesondere des Vorsitzenden des Vereins, eines jungen Juristen, der aus einer paritätischen couleurtragenden Verbindung stammte. In der entscheidenden Sitzung fiel die Abstimmung zugunsten des von den bewußten Juden vertretenen Standpunktes aus. Der Vorsitzende, mit dem ich in jener Sitzung geistig die Klingen gekreuzt hatte, gab mir im Anschluß an jenen Abend das Konzept seiner Rede« 78

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.