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Der jüdische Wille · 1936-03-01 · Heft 3 (März 1936) · page 14

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 3 (März 1936)
Date
1936-03-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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deutschen Dichtung. Ein Lesebuch. Zusammengestellt von Emanuel Bin Gorion, Im Schocken-Verlag, Berlin) kommen und nehmt noch einmal „aus der lichten Farbenquelle einen langen tiefen Trunk". Es ist hier eine einzigartige Auslese des Besten! was in deutscher Sprache« Poesie und Prosa, an jüdischen Themen von Juden und Nichtjuden gestaltet ist. Welch eine Fülle auf noch nicht 400 Seiten! Alle Stoffgebiete finden sich: Land Israel, Zerstreuung, Sage, Geschichte, Religion, Volkstum, Rechtliches und Soziales, Sprüche, Unterhaltendes und sogar Lustiges. (Wie reizend das Scherzgedicht Mörikes: „Nächtlich erschien mir im Traum mein alter hebräischer Lehrer, Nicht in Menschengestalt, sondern, o schreckliches Bildl Als ein Kamez geformt (wenn es nicht ein Kamez Chatuf war: Sah ich doch wahrlich so recht niemals den Unterschied ein; Doch dies stell* ich dahin): Ein grammatikalisches Scheusal, Trat er zur Türe herein, mich zu ermorden gewillt." usw.). Dadurch, daß — was man an sich bedauern mag — nur Autoren aufgenommen wurden, „zu denen der zeitliche Abstand schon gewonnen ist", entsteht trotz all der bunten, bisweilen bizarren Fülle ein Gesamteindruck von außerordentlicher Würde, Ruhe und Geschlossenheit. Selbst der Auswahl der den acht Vers- und neun Prosareihen vorgesetzten Motti kann man eine gewisse ruhig-heitere Genialität nicht absprechen. Am schwersten war wohl für den Herausgeber die Kunst der Beschränkung, des Kürzens und Fortlassens. Denn wenn wir nur anfangen, Wünsche zu äußern, werden aus 400 Seiten im Handumdrehen 4000. — So müssen wir uns denn auf wenige Bemerkungen beschränken: Ungern vermißt man jegliche Probe aus Steinheims leidenschaftlichen „Gesängen aus der Verbannung" (1829). — Auch Karl Becks Cyklus „Das junge Palästina" (1847) hätte Berücksichtigung verdient. — Warum sind von Lenaus „Armen Juden" (1833) gerade die bis ins Mark treffenden Schlußverse fortgelassen? „Ein Jerusalem papieren, Bauen Deine Stammgenossen, Doch für Dich ist es verschlossen, Wandern mußt Du, darben, frieren. Jene haben's hoch getrieben, Du verschacherst alte Kleider; Aber alle seid Ihr leider Ein geknicktes Volk geblieben." Chamissos ergreifende Haskalaballade vom „Abba Glosk Leczeka" (Es schallen gut im Liede der Purpur und das Schwert. Doch hüllt sich oft in Lumpen, der auch ist preisenswert; Ich führ' Euch einen Juden und Bettler heute vor, Den Abba Glosk Leczeka, verschließt ihm nicht das Ohr) sollte in die nächste Auflage wenigstens teilweise aufgenommen werden. Schon als Beispiel dafür, wie gerade der Rhythmus des alten Heldenliedes sich in inniger Schlichtheit sozial-epischem Inhalt anzupassen vermag. Wenn schon Hexameter gebracht werden dürfen, wäre statt der — anerkennenswert kurzen! — Kostprobe aus des braven Bodmers einschläfernder „Noachide" besser etwas von P y r k e r gewählt worden. Dieser 1847 verstorbene, früher durchaus als Klassiker respektierte (Verlag Cotta!) Patriarch von Venedig und spätere Erzbischof von Erlau hat eine Reihe noch heute 76

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