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Der jüdische Wille · 1936-03-01 · Heft 3 (März 1936) · page 11

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 3 (März 1936)
Date
1936-03-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Hebräisch, unsere Nationalsprache, ein nicht wegzudenkendes Element unserer nationalen Wiedergeburt, ist ein Objekt für „Parnosse" geworden» Für beide: den Lernenden und den Lehrenden« Für ersteren in der Zukunft, für letzteren schon in der Gegenwart. Wußten doch sogar ausländische jüdische Zeitungen zu berichten, daß das; einzige Mittel für einen Juden in Deutschland, sich anständig zu ernähren, der hebräische Unterricht sei, daß die hebräischen Lehrer noch die einzigen seien, die etwas verdienen. Hebräisch ist also Konjunktur geworden. Mit allen unerfreulichen Begleiterscheinungen, die eine Konjunktur mit sich bringt. Wer prüfte die Lehrer, wer ermächtigte sie, hebräische Erzieher der deutschen Judenheit zu werden? Wer fragte nach Qualifikationen? — Niemand. Es gab zwar Menschen, jüdische Menschen, Zionisten, die hebräisch konnten — nicht nur sprechen konnten —, aber wer sich mit Politik befaßte,' beachtete sie nicht. Sie wurden einfach übergangen. Es gibt in Deutschland, vorsichtig geschätzt, 40 Millionen Menschen, die gut deutsch sprechen. Würde jemandem einfallen zu behaupten, daß all diese 40 Millionen geeignet seien, deutsche Sprachlehrer zu werden? Ueber dieses Problem zerbrachen wir Zionisten uns nicht den Kopf. Jeder, von dem man annahm, daß er hebräisch sprechen kann — die Fehler zu kontrollieren waren die wenigsten imstande —, war zum hebräischen Lehrer quasi prädestiniert. Was tat's, daß ihm mitunter die elementarsten grammatischen Kenntnisse abgingen? Daß manche dieser „Professoren" den Unterschied von Subjekt und Prädikat nicht ganz genau nahmen, weil sie in Dingen, die einem Tertianer bekannt sind, nicht Bescheid wußten? Daß Konjunktiv und Konditional durcheinander geworfen wurden? Ja, daß sogar die hebräischen Aufsätze mancher dieser Lehrer als Lehrstoff für die ahnungslosen Schüler benutzt — ein unbeholfenes linkisches Gestammel darstellen. Daß sie hahnebüchene „Theorien" als Sprachgut angeben, daß die hebräische Grammatik, sogar die einfachste Formenlehre, auf Schritt und Tritt von ihnen vergewaltigt wird, — tut nichts zur Sache. Siehe ein von der ZVfD. empfohlenes „wertvolles Lehr- und Lernbucl*" v." Es ist eine bekannte Tatsache: Etwas, was ich nicht kann, ein Gegenstand, bei dem ich mich blamieren kann, erfüllt mich mit Haß. Dieses Verhältnis besteht bei vielen Lehrern zu der hebräischen Sprache, insonderheit zu deren Grammatik. Daher die feindliche Einstellung der meisten Neuhebräisch-Lehrer zum „Grammatikpauken". Daher sollen die Grammatikschwierigkeiten aus dem Wege geräumt, beileibe nicht überwunden werden, wie es in anderen Sprachen der Fall ist. Mit Hebräisch darf hier in Deutschland eben jeder Unautorisierte verfahren, wie es ihm gutdünkt. Hebräisch ist nicht Tabu wie andere Sprachen. Da ist jeder Herr im Hause. Aufgeschnappte Theorien, schlecht verdaute Spracherkenntnisse werden von sich gegeben und sollen durch Mithilfe zionistischer Behörden Gemeingut der deutschen Olim werden. Programme werden aufgestellt. Keine Grammatik. Das sei verbesserter Religionsunterricht. Es soll von dem Bewerber um ein Zertifikat nur eine Kenntnis von 300 bis 800 Vokabeln verlangt werden. Sonst wird ihm das Zertifikat nicht ausgehändigt. Die geistigen Väter dieses geistreichen Prq- IV. 73

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