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Der jüdische Wille · 1936-03-01 · Heft 3 (März 1936) · page 9

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 3 (März 1936)
Date
1936-03-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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hm Brot und Wasser reicht« Dem alten Wandervolk, das ja über die ganze Welt immer und immer wieder gewandert ist, geistig Brot und Wasser zu reichen und ihm die Stütze zu bieten, die es ja in seiner Bibel zwar besitzt, aber so oft vergessen hat, diese Stütze ihm gereinigt von Schlacken wieder zu geben, ist ebenfalls ein Werk, das innere Befriedigung und inneres Glück verschaffen kann und wird. Mag all das, was wir im weitesten Sinne des Wortes Assimilation, also Abkehr vom Judentum nennen mögen, noch so sehr locken, wir müssen wieder die Kraft der Ahnen zu erwerben suchen, die ihres Heiles, des Bewußtseins wegen, daß sie für die späteste Zukunft arbeiteten, entschlossen zu all diesen Lockungen Nein sagten. Es liegt ein tiefer Sinn in der katholischen Auffassung des corpus mystikum der christlichen Kirche mit ihrem Erlöser. Die reale Einheit des jüdischen Volkes, die in der Idee von jeher bestanden hat auf Grund der geistigen Grundlage einer sich immer mehr läuternden Gotteserkenntnis, des Gottes der Sittlichkeit und der Geschichte» des Gottes des Rechtes und der Wahrheit, muß wieder von den Schlacken, die sich im Laufe der Zeit angesetzt haben, gereinigt werden, und es muß unsere Aufgabe gerade heute sein, an diesem Werk mitzuarbeiten. Dann werden wir mit bestem Gewissen gleichzeitig mit jenem Nein auch das Ja aussprechen können, das stets und zu allen Zeiten unser innerstes Wesen aus» machen muß. Hebräisch? - . - Hebräisch! Von Bbr. Moses Gold mann. Vorwort: Wir veröffentlichen gern nachstehenden Artikel von Bbr. Goldmann zu einem besonders wichtigen Thema, ohne selbst, bei der besonderen Sachkunde, die dies erfordert, Stellung nehmen zu wollen. Red. I. Es ist Tatsache geworden. Seit 1933 ist Hebräisch nicht nur in zionistischen Kreisen salonfähig geworden. Die überraschende Unkenntnis jüdischer Dinge bei den Juden in Deutsch* land hat eigentümliche Früchte gezeitigt. Man wußte etwas von Zionismus, hat wohl auch von einem Mandat in Palästina gehört, irgendeine Ahnung ge-t habt, daß da ein Judenstaat unter den Auspizien des Völkerbundes (oder vielleicht Englands) im Werden begriffen sei. Aber die Gleichgültigkeit, mit der man diesen Dingen entgegenzutreten gewohnt war, bewirkte, daß man sich nicht viel Kopfzerbrechen darüber machte. Bis eines Tages dieses Palästina als einziges Einwanderungsland von etwas größerer Aufnahmefähigkeit in den Mittelpunkt des Interesses gerückt war. Da gab es plötzlich in Deutschland kein Haus, das nicht irgendeine Verbindung zu Palästina hatte, keine Familie, in der nicht irgendein Angehöriger, von einem Teil der Familie früher bemitleidet ob seiner fixen Idee, späterhin vergessen, in Palästina war. Die Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse führte zu einer logischen Ueberlegung, von der wir Zionisten wünschen müßten, daß sie in allen Punkten zuträfe. Da in Deutschland deutsch gesprochen wird, in Polen polnisch, usw., so werde in Palästina hebräisch gesprochen. 71

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