Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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bereits den genügenden Schutz bilden könne; ohne desjsejnJE^ schätzen, können wir ihm heute auf Grund unserer GeschichSerfahrung nicht mehr die Bedeutung zumessen, die ihm namentlich im Mittelalter zugekommen ist. Aber das Bewußtsein des geistigen Andersseins, dieses Bewußtsein, das unter allen Umständen immer und immer wieder in der gesamten Bibel zum klaren Audruck kommt, muß in schärfster Form Grundlage der Erziehung der Jugend und des geistigen Besitzes der Erwachsenen sein. Dieses Bewußtsein ist das Positive, der Leitstern, der uns an Stelle der bisher herrschenden Idee führen muß. Nicht ein bloßes Zurück zu vergangenen, versunkenen Zeiten, die nie wiederkommen können, sondern ein bewußtes Hinarbeiten auf die Zukunft, unter treuer Bewahrung alles dessen, was lebensfähig ist. Für die Naivgläubigen war und ist Gott stets und zu allen Zeiten immer derselbe; dem geschichtlich Denkenden, sofern er wirklich gläubig ist, wandelt sich aber das Bewußtsein von Gott jeweilig. Nicht der Idee nach, denn das gehört ja zum Wesen der Gottesidee, insbesondere im Judentum, daß der einig-einzige Gott stets derselbe ist; wohl aber in der Art der zeitlichen Auffasung und der Stellung zu Gott. Was geistig ist, ändert sich im Wandel der Zeit, ebenso wie alle anderen Begriffe zeitbedingt sind; nie aber darf das Bewußtsein verloren gehen, daß es etwas Geistiges gibt, etwas Geistiges, das über allem Materiellen besteht. Deshirlb~TvaT"tmdr4^^ der jüdische Gottesbegriff stets und zu allen Zeiten insoweit einheitlich, daß Gott über der Welt ist, nicht in der Welt; jede Herabziehung Gottes in diese Körperwelt, mag sie in irgendeiner Form geschehen, ist unjüdisch. Gott, der Schöpfer und Erhalter der Welt, steht über seinem Geschöpf. Das schließt keineswegs aus, daß das Geschöpf selbst zu Gott als dem Vater emporblickt; aber es muß — das ist das jüdische Erbgut — ein Empor blicken sein, nie darf die Ehrfurcht vor Gott außer acht gelassen werden. Aendern mag sich die Blickrichtung, wandeln mag sich das Gefühl für diese Abhängigkeit, das Bleibende aber, die Idee selbst, steht unverrückbar fest. Und das ist es, was uns nunmehr aufrecht erhalten muß und aufrecht erhalten wird', das Bewußtsein, daß wir Glieder nur einer^ Kejte_.sinji,_die Generation um Generation um diesen Gott und mit ihm gerungen hat, die zeitweilig von ihm abfallen konnte, aber nach Unterbrechung immer wieder zu ihm zurückgekehrt ist. Das Volk der Bibel müssen wir wieder im tiefsten Sinne des Wortes werden, der Bibel, in der sich dieses Ringen um Gott, dieses Kämpfen, der Sieg der Sittlichkeit, des Geistigen über das Materielle, diese Auffassung des außerweltlichen Gottes, der zugleich der Weltenrichter ist, in schärfster klarster Form ausspricht, dieses Volk müssen wir wieder werden. Wenn der Aufbau Palästinas nicht unter diesem Gesichtswinkel erfolgt, wenn dieses Land im wesentlichen eine Zufluchtsstelle für Leute sein soll, die in ihren alten Wohnsitzen sich nicht halten konnten, dann werden auch diesem Lande die schwersten Kämpfe nicht erspart werden, und dann besteht die Gefahr, daß mangels geistiger Grundlagen der Aufbau Wege einschlagen wird, die nicht die richtigen sind. Damit ist aber auch die positive Aufgabe gegeben und damit auch der geistige Halt, dessen wir so dringend benötigen. Nicht nur durch Opfer aller Art den wirtschaftlichen Aufbau des Landes fördern, sondern mitarbeiten an der geistigen Lösung unseres Volkes von all den Irrtümern, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte entwickelt haben, zurück zu uns selbst, das ist die Losung. Dann hat auch das Leben in den Ländern außerhalb Palästinas einen Wert, mag auch der einzelne sich noch so sehr bedrückt fühlen. Mitarbeiten an der geistigen Erlösung, an der geistigen Befreiung ist eine Aufgabe, die ebenfalls voll zu bewerten ist. Nach einem Worte unserer Weisen verdient nicht nur der die Seligkeit, der im heiligen Lande wohnen und seine Tage beschließen kann, sondern auch der, der dem Wanderer dort- 70